Zum ersten Mal mit Flüchtlingen Sportangebote gestalten

Allgemein, Blog

22.12.2015

Gedankengänge eines Übungsleiters

Wie gestaltet man Sport, wenn ich mich als Trainer mit der Zielgruppe nicht verständigen kann? Wie kann ich Fehler korrigieren? Was wollen und können „die“? Was will ich überhaupt mit denen erreichen? Was haben die Kinder und Jugendlichen alles so erlebt?

Dies ist nur ein kurzer Auszug aus den Gedanken, die ich mir vor dem ersten Angebot bei der Sportarbeit mit Flüchtlingen gemacht habe. Die Überlegungen zu methodischen Reihen, kleinen Spielchen und Spielformen, die sich in der Vorbereitung zu dem neuen Aufgabenfeld ergeben haben, sind vielschichtig. Ich bin auf vieles vorbereitet und habe einige Zeit mit Planung, Konzepten und Ideen verbracht. Nun steht endlich das erste Sportangebot für Flüchtlinge an. Auf einem großen Freizeitplatz in der sozialen Einrichtung am Don Bosco Club e.V. in Köln Mülheim warte ich gespannt auf die ersten Teilnehmer. Der DBC shuttled die Kids von ihrer Flüchtlingsunterkunft direkt zum Angebot. Schnell treffen einige Jugendliche aus der Unterkunft ein. Neben sechs Flüchtlingen sind sechs Jungs aus Deutschland am Start und wollen auch das offene Sportangebot wahrnehmen. Und da Jungs gerne Fußball spielen, rollt schnell der Ball. Getreu dem alten Lehrermotto „Ball in die Mitte und los geht’s“. Zwei Teams werden von mir gebildet. Nach dem ersten Tor und gemeinsamer Freude darüber, obwohl weder Torschütze noch Passgeber wissen, wie der andere eigentlich heißt oder wo er genau herkommt, freue ich mich über diese wahnsinnig einfache Form des Zusammenbringens:  12 Kids, 2 Tore, 1 Ball – so einfach kann die Kontaktaufnahme und ein erster, kleiner Integrationsschritt sein.

Die paar Worte in Deutsch, die zwei der sechs Jungs sprechen, reichen für kurze Infos über die Herkunft und ein paar kurze Wortwechsel in den Pausen aus. Danach wird fleißig übersetzt und vermutlich über das Gesprochene diskutiert. Für schwierigere Begriffe und Unklarheiten gibt es ein simples Mittel: google translate. Kurz eingetippt, gelesen und wir verstehen uns!

Wir spielen weiter und die 10-12-jährigen Kids sind voll bei der Sache. Sport spricht zwar alle Sprachen, aber dennoch muss ich ab und an eingreifen, um die unterschiedlichen Auslegungen von Foul und Körpereinsatz zu regulieren. Und zwar so, dass es jeder versteht! Es funktioniert! Ein albanischer Junge lehnt sich nach dem Spiel an meinem Oberschenkel an und grinst. Wir können kaum sprechen, aber ich begreife, dass er in der letzten Stunde viel Spaß hatte, zufrieden und glücklich ist.

Ich reflektiere und versuche, meine Erfahrungen und Gedanken zu sammeln. Ich komme sowohl für die Interaktion mit den Kids, als auch dem methodischen Aufbau meiner geplanten Übungen zu einem praktischen Fazit: KISS – keep it simple stupid!

Autor:
Ich bin Moritz Mattes, 25 Jahre und seit 3 Jahren Teamer beim Laureus Projekt Körbe für Köln e.V. als Ehrenamtler tätig. Ich habe bereits viele offene Sportangebote mit Kindern und Jugendlichen unterschiedlichster Herkunft, Religion und wirtschaftlicher Hintergründe aktiv gestaltet. Unter anderem bin ich Trainer für junge Menschen an der Tages- und Abendschule in Köln Mülheim, in der junge Menschen eine zweite Chance erhalten, ihren Schulabschluss nachzuholen. Hier gibt es auch Asylanten, ca. 80% der Kids haben Migrationshintergrund. Für die TAS-Schüler bieten wir aber nicht nur Sport, sondern auch berufsorientierende Neigungstests an, u.a. bei mehrsprachigen Ausbildungsbörsen. So konnte ich schon in der Vergangenheit gut lernen mit Kids verschiedener Herkünfte zusammen zu arbeiten. Ich war auch 2013 Teil des Projekt-Teams ‚IntegrationMIT‘, das vom Bündnis für Demokratie und Toleranz, gegen Rassismus und Extremismus in Berlin in 2013 als Modellprojekt ausgezeichnet wurde. Gemeinsam mit der Projektleitung darf ich seit Anfang des Jahres die Flüchtlingsarbeit im KfK aufbauen: So bin ich viel in der Vernetzung unterwegs und spreche mit Trägern von Flüchtlingsunterkünften, interkulturellen Diensten, den Bezirksjugendpflegen, anderen sozialen Einrichtungen, vor allem aber auch mit den Kids und Familien an den Unterkünften, um ihnen ein sinnvolles Freizeitangebot schaffen zu können. Ich möchte auch in diesem Bereich, der sportbezogenen Integrationsarbeit mit Flüchtlingen, meine B.A. an der Deutschen Sporthochschule Köln schreiben.

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On Dezember 22, 2015
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