Werteserie: Kampfgeist

Allgemein, Blog

18.08.2016

Als so langsam die Blogs der Teilnehmer aus den Laureus Sport for Good Projekten eintrudelten, die die Werte thematisierten, die sie über den Sport gelernt haben, fragte ich mich unwillkürlich, was ich durch den Sport für mein Leben gelernt habe.

Sport spielte und spielt in meinem Leben immer eine große Rolle. Zum einen passiv durch das Verfolgen von Sportevents – live oder vor dem Fernseher – als auch aktiv. Meine erste Erinnerung an Sportevents habe ich, als ich 1996 im Alter von elf Jahren erst drei Wochen lang die Tour de France und anschließend die Olympischen Spiele in Atlanta vor dem Fernseher verfolgte.

Ich bewunderte die Leistungen der Sportler und ging völlig im Fan-Dasein auf. Ich abonnierte das Tour-Magazin, las mich durch sämtliche Sportler-Biographien, nahm Tennisturniere auf Video auf, um sie mir immer wieder anzusehen (auch wenn sich das Ergebnis dadurch leider nicht änderte), zeichnete die Streckenprofile der Tour-Etappen auf und heftete sie in einem eigens erstellten Ordner ab (warum weiß keiner) und träumte von einer Karriere als Sportkommentatorin (es kam dann etwas anders).

Was für Außenstehende etwas seltsam klingen mag, war für mich ein riesiger Motivationshebel. Wenn ich einen Wert nennen müsste, den der Sport mir beigebracht hat, ist es Kampfgeist. Ich habe mitgelitten und gleichzeitig gestaunt, wenn der Radprofi Jens Voigt sich bei der Tour de France als Ausreißer 80 km lang alleine den heranrollendenden Verfolgern in einem quasi aussichtslosem Kampf stellte, wenn der führende Marathonläufer auf den letzten Kilometern stürzte, den Sieg aus der Hand gab und dennoch das Rennen zu Ende lief oder wenn sich ein Tennisprofi nach zwei verlorenen Sätzen wieder herankämpfte und das Match noch drehte.

Der Sport lehrt, mit Rückschlägen umzugehen, sich nicht entmutigen zu lassen und nach Niederlagen wieder aufzustehen und weiterzumachen. Auch im „echten“ Leben. Es läuft eben nicht immer rund und das meiste fällt einem nicht einfach in den Schoß. Erfolge muss man sich erarbeiten. So auch im Karate: Lange suchte ich nach der richtigen Sportart für mich (Schwimmen, Judo, Eiskunstlauf, Feldhockey), bis ich schließlich beim Karate landete, das ich nun seit 15 Jahren ausübe. Auch hier gilt es, einen langen Atem zu haben und kontinuierlich an sich zu arbeiten. Die Fortschritte werden durch die verschiedenen Gürtelfarben sichtbar, von weiß über gelb, orange, grün, blau, braun bis hin zum schwarzen Gürtel.

Aber während Anfänger im Karate denken, mit dem schwarzen Gürtel wäre das Ziel erreicht, geht der Weg dann eigentlich erst richtig los. Der schwarze Gürtel wird einem nicht nur für sportliche Fähigkeiten verliehen, sondern es wird auch eine gewisse mentale Reife vorausgesetzt und geht mit der entsprechenden Verantwortung einher. Daher gibt es Wartezeiten zwischen den einzelnen Gürtelprüfungen. Wer sich deshalb schließlich einen schwarzen Gürtel umbinden darf, hat meistens einige Jahre in Karatevereinen und unzählige Trainingseinheiten hinter sich. Er hat Höhen und Tiefen überwunden, sich nach Verletzungen oder arbeits- oder krankheitsbedingten Trainingspausen wieder herangekämpft, Mut und gute Nerven in den Gürtelprüfungen bewiesen und sich auch mit erfahreneren Karatekas in Partnerübungen und Kämpfen gemessen. Werte und Fähigkeiten, die mich persönlich auch im Schul- und Arbeitsleben vorangebracht haben.

Natürlich braucht man auch für Karate ein gewisses Maß an Talent. Körperbeherrschung und eine gute Hand-Fuß-Koordination sind definitiv von Vorteil – aber alles andere ist erlernbar: Das Gefühl für die richtige Distanz, Flexibilität und die entsprechende Fitness und Schnelligkeit. Bei Karate lässt sich durch kontinuierliches Training sehr viel erreichen. Wer fleißig trainiert, dranbleibt und nie aufgibt, wird irgendwann ebenfalls den schwarzen Gürtel tragen – und damit ein sichtbares Zeichen für sein ganz persönliches Maß an Kampfgeist.

Autor:
Bärbel Mees ist seit März 2011 für die Kommunikation und das Fundraising der Laureus Sport for Good Foundation in Deutschland und Österreich zuständig. Bei ihren Vor-Ort-Einsätzen ist sie immer wieder beeindruckt, was sich alles mit der Kraft des Sports bewegen lässt – und wie sehr er die Menschen verbindet. Eben getreu der Laureus Mission: „Sport hat die Kraft, die Welt zu verändern.“

 

Weitere Blogbeiträge zu dieser #SPORTFORGOOD Werteserie finden Sie unter nachfolgendem Link:

 

» Allgemein, Blog » Werteserie: Kampfgeist
On August 18, 2016
By

« »

zurück zu "Allgemein"

ALTRUJA-BUTTON-OV6M