Werteserie: Disziplin

Allgemein, Blog

12.08.2016

Disziplin ist ein Wort, das ich eigentlich nicht mag. Es klingt streng und hart und auch die Kinder und Jugendlichen aus unseren Gruppen verbinden mit dem Wort zunächst Gehorsam und denken dabei vorrangig an: „Schule“, „wenn man auf den Lehrer hört und nicht stört“, „in der Schule gut sein“, „in der Schule gut mitmachen“, „sich nach dem Klo die Hände waschen“ und „keine Scheiße bauen“.

Dabei ist Disziplin eine der Eigenschaften, die uns am meisten zu Wohlbefinden verhelfen kann.

Bei den coolen pänz treffen Kinder mit unterschiedlichen Problemen aufeinander. Vielen von ihnen fällt es schwer sich zu beherrschen. Sie überschreiten Grenzen bei sich selbst und bei anderen.

Wir möchten mit unserem Projekt den Kindern verschiedene Kompetenzen vermitteln, die ihnen zu einem positiverem Selbstbild verhelfen und sie darin unterstützen sich selbst unter Kontrolle zu bringen, sich Handlungsstrategien zur Konfliktbearbeitung und zum Stressmanagement anzueignen.

Über verschiedene sportliche Aktivitäten wie Teamspiele, vertrauensbildende und kooperative Übungen und auch Kampfsportelemente wird anhand fünf fester Regeln im Training an der Wertschätzung sich selbst gegenüber und anderen gegenüber gearbeitet. Die Regeln heißen: „Fair Play“, „Keine Gewalt“, „Ausreden lassen“, „Zuhören“ und „Stop-Regel“.

Um diese Regeln einhalten zu können, bedarf es Disziplin. Die Kinder lernen in den Trainings nicht einfach nur sich an die Regeln zu halten, sondern auch den Sinn von Regeln zu verstehen. Sie lernen, Regeln für sich selbst aufzustellen und in allen Fällen auf die Einhaltung der Regeln zu achten. Damit schützen sie sich selbst und die anderen.

Unser Fokus ist darauf gerichtet, den Kindern und Jugendlichen Selbstdisziplin und Selbstbeherrschung – als eine Form der bewussten Selbstregulierung – zu vermitteln und ihnen so zu mehr Selbstzufriedenheit zu verhelfen.

In kleinen Schritten wird den Kindern und Jugendlichen ein Verantwortungsgefühl und Konsequenz vermittelt. Sie übernehmen nicht nur Verantwortung in der Gruppe füreinander, sondern auch sich selbst gegenüber und lernen ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, zu benennen und sich für diese einzusetzen. Auf der anderen Seite lernen sie, die Bedürfnisse anderer zu akzeptieren.

„Irgendwie ist Disziplin doch dasselbe wie Respekt und Aufmerksamkeit“ stellt Iwan in einer Stunde fest. „Das alles sind die Grundregeln, die wir zum Leben brauchen, sonst gibt es Eskalation und alle ticken aus“; „Man braucht das alles, wenn was fehlt, entsteht Chaos oder auch Gewalt“; „Wenn ich unaufmerksam bin, kann ich respektlos werden – manchmal bekommt man das gar nicht mit“; „Wenn ich keinen Respekt habe, heißt das, dass ich undiszipliniert bin“ und „Wenn ich im Sport diszipliniert bin, heißt das, dass ich regelmäßig was mache und mich nicht belügen kann“, ergänzen die anderen Teilnehmer.

In einer anderen Stunde steht Matten-Ringen auf dem Plan. Ohne ein klares Regelwerk beginnt der Kampf auf der großen Matte zwischen Jungs unterschiedlichster Körpergröße und mit unterschiedlichen Kräfteverhältnissen. Ein Junge ruft laut Stop, als ihm der Arm leicht verdreht wird, ein anderer, als er fast einen Fuß an den Kopf bekommt. Nach und nach stellen sie eigene Regeln auf. „Disziplin hat was mit Rücksicht zu tun. Stop heißt Stop“, erklärt Gerrit nach der Stunde. Und Enno findet die abschließenden Worte: „Wir haben uns aus eigenem Antrieb an die Regeln gehalten. Es hat wenig wehgetan und keiner hat geweint und weil alle gelacht haben, hat es Spaß gemacht, das hat auch was mit Disziplin zu tun.“

Disziplin, das bedeutet: Auf etwas zu verzichten, weil etwas anderes wichtiger ist und das was wichtiger ist, nennen wir Ziele. Eine unserer Aufgaben ist es also, den Kindern zu helfen, sich bewusst zu machen, was sie ändern wollen. Außerdem sollen sie selbst klar wissen, warum sie etwas ändern wollen. Damit kann sich bei ihnen für diese Verhaltensänderungen eine innere, echte Motivation entwickeln.

Die Willenskraft, ihre Ziele konsequent zu verfolgen, trainieren wir mit ihnen, indem wir regelmäßig Aktionen anbieten, bei denen sich die Kinder überwinden müssen, überwinden nicht aufzugeben, es noch einmal zu versuchen, standhaft zu bleiben. Und wenn es uns letztendlich gelingt, einzelne Handlungsalternativen bei den Kindern in Gewohnheiten umzuwandeln, verhilft ihnen das zu mehr Selbstdisziplin und Freude im Leben.

Autor:
Steffi Pardella, Projekt coole pänz

 
 

Weitere Blogbeiträge zu dieser #SPORTFORGOOD Werteserie finden Sie unter nachfolgendem Link:

 

» Allgemein, Blog » Werteserie: Disziplin
On August 12, 2016
By

« »

zurück zu "Allgemein"

ALTRUJA-BUTTON-OV6M