Laureus Sport For Good Summit - Day 2

Motivationsvortrag von Verena Bentele

Blog

28.06.2018

Laureus Sport for Good Botschafterin Verena Bentele war auf einer Mission. Auf der Mission, die Mitarbeiter von Mercedes-Benz zur Teilnahme am 25. Stuttgart-Lauf zu motivieren. Wir haben sie von München nach Stuttgart begleitet und einen spannenden Einblick in ihr Leben bekommen – als Paralympics-Star, als Politikerin und als Tochter von schwäbischen Hopfenbauern.

Verena Bentele auf
Motivations-Mission in Stuttgart

Wie ist es, als blinde Leistungssportlerin auf Skiern zu stehen? Verena Bentele hatte ihre ganz eigene Methode, ihrem Publikum dieses Gefühl in 60 Sekunden zu vermitteln. Und zwar mit dieser Übung, die Sie auch einmal ausprobieren sollten:

Verena Bentele Übung

  1. Aufstehen!
  2. Auf ein Bein stellen!
  3. Arme nach hinten – da Sie sich gerade dynamisch mit Ihren
    .. Skistöcken abgedrückt haben.
  4. Jetzt: Augen zu!
  5. Entspannt in die Knie gehen!
  6. Für alle Profis: 10 einbeinige Kniebeugen machen!

Stehen Sie noch auf einem Bein? Falls ja, gut:

  • Denn in Wirklichkeit ist alles noch viel schwieriger, da Sie einen dünnen, wackeligen Langlaufski am Fuß haben – und:
  • Mit 40 km/h den Berg runterfahren!

Gar nicht so einfach, oder? Für Verena Bentele war das auf ihrem Weg zu insgesamt zwölf paralympischen Goldmedaillen über viele Jahre hinweg Alltag. Nach diesem Ausflug ins Skilanglaufen durften sich die 120 Mitarbeiter von Mercedes-Benz wieder setzen, die ins Conference Center gekommen waren, um sich die nötige Portion Motivation für den Stuttgart-Lauf zu holen.

Und dafür waren sie dort genau am richtigen Ort. Denn Verena Benteles Vortrag drehte sich neben ihrem Lebensweg – und warum sie sich für den sozialen Wandel durch den Sport einsetzt – auch darum, wie man sich am besten auf eine Herausforderung wie den Stuttgart-Lauf vorbereitet.

Dabei war unsere Laureus Sport for Good Botschafterin mit Sicherheit die Person im Raum, der die größte Herausforderung bevorstand. Und zwar einem 543-Kilometer-Radrennen von Trondheim nach Oslo – in weniger als 20 Stunden, so der ambitionierte Plan. Letztendlich musste sie sich aufgrund einer Fahrradpanne mit einer Zeit von 20:52 Stunden zufrieden geben, aber nichtsdestotrotz eine äußerst beeindruckende Leistung.

 

Wer ist unsere Laureus Sport for Good Botschafterin Verena Bentele?

Aufgewachsen ist sie in einem kleinen Dorf mit sechs Häusern in der Nähe von Tettnang am Bodensee – ein großes Glück, wie sie selbst sagt:

Auch wenn man nicht sieht, kann man mal alleine Fahrrad fahren, da ich dort alles hören konnte. Genau wie jetzt: Die Wand links von mir ist deutlich näher, als die Wand rechts von mir. Das kann ich alles über Akustik hören – über den Schall der Wände.

Laureus Sport for Good Botschafterin Verena Bentele

Das Radfahren sollte nicht ihre einzige Sportart bleiben: Los ging es mit Judo. Außerdem nahmen ihre Eltern sie bereits von Kindesbeinen an mit auf die Skipiste und machten sie mit dem Element Schnee vertraut. Der Grundstein für ihre paralympische Karriere war gelegt.

Daneben geht sie Joggen, erklomm bereits den Kilimandscharo sowie – als erste blinde Bergsteigerin – den Mont Meru. Das ist beeindruckend, was mich aber mindestens genauso inspiriert hat, ist ihr Mut und die Selbstverständlichkeit, mit der sie sich neuen Herausforderungen stellt.

Wenn man Verena Bentele trifft, merkt man sehr schnell, dass das Leben ohne Augenlicht – selbst wenn es für uns nur schwer vorstellbar ist – genauso funktioniert. Nur eben ein bisschen anders, auch beim Sport.

 

Wie funktioniert das eigentlich mit dem …

... Fahrradfahren?

Beim Fahrradfahren auf dem Hof ihrer Eltern konnte sich Verena Bentele noch an der Akustik ihrer Umgebung orientieren. Heute fährt sie mit Begleitung auf einem Rennradtandem – auch beim 543-Kilometer-Rennen in Norwegen:

Da sitzt einer vorne, der lenken und schalten darf und ich darf hinten nur bremsen und treten. Und ich kann Ihnen eins sagen: Wenn der vorne nicht mehr tritt, das merke ich sofort! Dann gibt es Ärger, wenn er sich von mir herumfahren lässt!

... Joggen?

Beim Joggen ist man als blinde Person mit einem Bändel an der Hand mit seinem Begleitläufer verbunden. Daran orientieren sich beide und können entspannt nebeneinander laufen. Vereine wie Achilles International Germany organisieren solche Lauftreffs in ganz Deutschland – neue Läufer und Guides sind immer willkommen!

... Skilanglauf?

Auch beim Skilanglauf wird Verena Bentele von einem Begleitläufer geführt. Anders als beim Joggen oder beim Fahrradfahren gibt es hier aber keine physische Verbindung – das heißt, Verena verlässt sich voll und ganz auf die Kommandos wie „Hopp!“ (Vollgas geradeaus), „Links auf 11!“ (leichte Linkskurve) oder „Rechts auf 3!“ (scharfe Rechtskurve).

... Schießen beim Biathlon?

Das klappt über Kopfhörer mit einem akustischen Signal: Je näher man an der Mitte der Zielscheibe ist, desto stärker wird das Piepen. Das Ganze ist vergleichbar mit einer Einparkhilfe im Auto. Nur drückt Verena Bentele bei einem lauten Piepton nicht auf die Bremse, sondern auf den Abzug!

... Judo?

Judo war der erste Vereinssport von Verena Bentele. Neben der Mischung aus Respekt und Action, hat sie auch die Technik der Sportart begeistert:

Ich habe mich dort total wohlgefühlt, da man anhand der Bewegung des Gegners merkt, was er gerade vorhat. Ob er seinen Fuß hebt, um einen Wurf zu machen oder sich gerade eindreht. Das kann man alles total gut spüren.

... Bergsteigen?

Das Wichtigste ist auch hier die richtige Begleitperson, der man voll vertrauen kann. Die einem durch ein Verbindungsseil den Weg und mögliche Hindernisse zeigt. Oder mit der man sich bei langen, monotonen Strecken mit einem Gespräch ablenken kann.

Dieses Vertrauen ist entscheidend – vor allem, wenn man mitten in der Nacht auf dem Weg zum Gipfel des Kilimandscharos unterwegs ist.

Das Wichtigste beim Sport ist für mich, dass ich jemanden habe, der mich unterstützt und der mir hilft. Und das ist auch eine der Parallelen, warum ich Laureus Sport for Good toll finde. Weil es darum geht, Kinder und Jugendliche zu unterstützen, die von zuhause aus nicht diese Förderung bekommen.

Aber es sind nicht nur die sportlichen Herausforderungen, die das Leben von Verena Bentele bestimmen. Während ihrer paralympischen Karriere absolvierte sie an der LMU München ihr Magisterstudium der Literaturwissenschaft, Sprachwissenschaften und Pädagogik.

Jetzt setzt sie sich auf politischer Ebene für ihre Mitmenschen ein: bis vor kurzem war sie die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung und nun hat sie die Präsidentschaft beim VdK, Deutschlands größtem Sozialverband, übernommen.

 


 

Steckbrief Verena Bentele

Steckbrief Verena Bentele:

  • Aus einem kleinen Dorf bei Tettnang am Bodensee
  • Tochter von Hopfenbauern mit zwei älteren Brüdern
  • Studium der Sozialwissenschaften
  • Zwölffache Paralympics-Siegerin
  • Ehemalige Bundesbeauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung
  • Präsidentin des VdK, Deutschlands größtem Sozialverband
  • VfB-Fan mitten in München

 

Mit ihrem beeindruckenden Lebensweg schaffte sie es, die Mercedes-Benz-Mitarbeiter optimal auf ihre nächste Herausforderung vorzubereiten: den Stuttgart-Lauf. Denn beim Sport geht es darum, an seine eigene Stärke zu glauben, mit Disziplin zu trainieren und in sein ganz persönliches Ziel zu investieren.

Am Ende des Tages fuhren wir übrigens nur zu zweit zurück nach München in unser Stiftungsbüro. Denn Verena Bentele war schon wieder unterwegs zu ihrem nächsten Einsatz – im Flieger nach Berlin.

 


Autorin: Johanna Maier ist neben ihrem Sport Management Studium ehrenamtlich als Teamerin im Laureus Förderprojekt Körbe für Köln aktiv und unterstützt den Verein tatkräftig bei Events, Angeboten sowie bei organisatorischen Aufgaben. So ist sie auch auf die Ausschreibung der Laureus Stiftung in München aufmerksam geworden und absolviert dort derzeit ein sechsmonatiges Praktikum im Bereich Kommunikation.

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On Juni 28, 2018
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