Sport for Good und Covid-19: Reflexionen zur aktuellen Lage

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19.06.2020

Unsere Praktikantin Lorena Franco reflektiert ihre Eindrücke der Arbeit von Laureus und den Förderprogrammen in den letzten drei Monaten und welche Schwierigkeiten es durch die Covid-19 Pandemie zu bewältigen gab.

Seit Wochen geben Maßnahmen zur Eindämmung des Covid19-Virus weltweit den Takt an. Begriffe wie „Ausgangsbeschränkungen“, „Flatten the Curve“ sowie „Mund- und Nasenschutz“ sind innerhalb kürzester Zeit Teil der Alltagssprache geworden. Die Gesellschaft einigt sich auf Einbußen und massive Einschränkungen an allen möglichen Ecken und Enden. Das Bild einer umfassenden Krise, mit wirtschaftlichen und sozialen Sorgen, Nöten und immensen Herausforderungen, ist besonders dominant. Doch neben all den berechtigten Ängsten finden auch ressourcenorientierte Ansätze ihr Gehör, indem sie beispielsweise das Erstarken solidarisierender Social-Media-Kampagnen und einer wachsenden Rücksichtnahme im öffentlichen Raum hervorheben. Es herrscht eine große Sorge um Mitmenschen, hohe Infektionsrisiken und eine damit einhergehende gesellschaftliche Angst des Kontrollverlusts. Nach etwa drei Monaten zeigt sich ein diffuses Stimmungsbild, das auf der einen Seite von enormer Unsicherheit, auf der anderen Seite von Zuversicht geprägt ist. An einigen Stellen normalisiert sich das urbane Leben wieder, während andere Bereiche der Gesellschaft nach wie vor stark von Einschränkungen betroffen sind. „Flatten the curve“ hatte einen hohen Preis: Das Absagen von Großveranstaltungen, das Runterfahren des analogen kulturellen Angebots und das plötzliche Umsatteln auf digitale Lehre in Schulen sind nur wenige Beispiele einer Vielzahl an diversen Maßnahmen zur Bekämpfung des Covid-19-Virus. Das Ergebnis sind Irritationen und Unsicherheit.

 

Die Stiftungsarbeit von Laureus Sport for Good beschäftigt in diesen komplexen Zeiten besonders die Frage, wie es den von Laureus unterstützten Förderprogrammen geht. Wie steht es um deren Handlungsfähigkeit? Wie geht es der Zielgruppe, den Kindern und Jugendlichen? Was kann Sport for Good in dieser Zeit leisten?

Eine Rückschau auf die vergangenen Wochen

Der Sport for Good Sektor sieht sich Anfang März vor alles anderem als einer erfreulichen Situation: Schulen geschlossen, der Kursbetrieb ohne klaren Zeitrahmen ausgesetzt, Sport in großen Gruppen schlichtweg undenkbar. Auch wenn nun nach einiger Zeit spezielle Lockerungen eingeführt wurden, so ist die Situation nicht unbedingt einfacher geworden. Sport mit Mund- und Nasenschutz ist nicht wirklich eine Alternative und die Sehnsucht nach vollen Sporthallen mit Schweiß, geballter Emotionalität und Action bleibt auch weiterhin ungestillt.

Da große Fundraising Events vorerst gestrichen sind und somit einige Geldquellen schmerzlich versiegen, trifft die Covid-19 Krise auch die Finanzierung der Laureus Sport for Good Programme. Die übergreifende wirtschaftliche Krise ist schließlich auch im gesellschaftlichen Sport spürbar.
Doch zeigt sich die Krise nicht nur auf Organisationsebene der Programme. Die Zielgruppe, also die Kinder und Jugendlichen, erleben die Auswirkungen der Beschränkungen ganz unmittelbar. Akute Bewegungsnot und wochenlange Entbehrungen des Miteinanders stellen nur einen Aspekt dar.  Ein weiterer, besonders ernstzunehmender Punkt wird aktuell auch verstärkt in den Medien diskutiert: Jobverluste der Eltern, Kurzarbeit durch die Covid-19-Krise und aufkommende finanzielle Nöte können Katalysatoren häuslicher Gewalt gegen Kinder und Jugendliche bedeuten. Wichtige Rückzugsräume im Alltag, die der Sport leisten kann, sind erheblich reduziert, Risikofaktoren gleichzeitig deutlich angestiegen. Zusammengetragen ergeben diese diversen Aspekte der Covid-19-Folgen ein Bild, das an Komplexität kaum zu übersteigen ist.

Der letzte Absatz umschreibt womöglich das, was im Krisenmanagement als „Schritt 1“ gilt: Definition der aktuellen Situation und Ausgangslage. Vor genanntem Hintergrund stellt aktuell das größte Problem im Sport for Good Sektor die Schwierigkeit der Aufrechterhaltung des Kontakts zu den Kindern und Jugendlichen dar.

Welche kleinen, aber wichtigen Schritte können zur Problemlösung verhelfen? – Antworten der Laureus Förderprogramme

Das Laureus Förderprogramm wirmachenwelle reagiert schnell. „Physical distancing“ wird selbstverständlich berücksichtigt, das bedeutet aber noch längst nicht „social distancing“! Das Team zögert nicht lange und beginnt Kursbausteine im Videoformat anzubieten. Auf eine digitale Plattform werden in zeitlich regelmäßigen Abständen neue Surf-Trainingssessions hochgeladen, mit denen die Kursteilnehmenden auch von zu Hause trainieren können. KICK im Boxring wählt einen ähnlichen Weg: mit dynamischen, motivierenden Clips versuchen die Projektleiter/-innen auch trotz Covid-19 ihre Teilnehmenden zu erreichen. Eigens für die Zeit zu Hause eingerichtete YouTube-Channels, beispielsweise des Programms Körbe für Köln, sollen den Kontaktverlust zu den Kindern und Jugendlichen vorbeugen und ihnen so auch gleichzeitig signalisieren: Wir sind für euch da und begleiten euch in dieser unwirklichen Zeit!

Einige dieser Trainingsvideos verlassen sogar den internen Kreis und erlangen über die #LaureusHomeGames eine erhöhte mediale Reichweite. Ziel der Homegames, die als Reaktion auf die Ausgangsbeschränkungen entstanden sind, ist, den Kindern und Jugendlichen auch trotz ausbleibender Kurse zu Sport und Bewegung zu motivieren. Über Social-Media-Kanäle werden etliche Hometraining-Videos veröffentlicht, die eine enorme Spannbreite an inspirierenden Übungen aufzeigen. Dieses Format führte auch die Laureus Sport for Good Botschafter Thomas Morgenstern und Timo Bracht mit dem Förderprogramm move&do zusammen: Mithilfe einer Übungsvorlage des Programms versuchen sich die ehemaligen Profi-Sportler an anspruchsvollen Koordinationsübungen mit Jonglier-Parts. Das Ergebnis ist nicht nur besonders unterhaltsam, es verhilft auch zur Verbreitung der „Sport Unites Us“ Idee.

Ihre pädagogische Verantwortung sehen die Förderprogramme aber nicht nur in der unmittelbaren Online-Präsenz. Das von Laureus geförderte erlebnispädagogische Programm move&do sucht beispielsweise aktiv den Zugang zu Lehrkräften der Kinder und Jugendlichen, um kooperativ an Aufarbeitungs- und Reflexionskonzepten zu arbeiten. move&do möchte ihrer Zielgruppe dabei helfen, den sozialen und emotionalen Folgen der Isolation zu begegnen und den Gruppenzusammenhalt neu zu stärken. Die psychosozialen Folgen der Covid-19-Zeit für Kinder und Jugendliche werden hier explizit thematisiert und gemeinsam mit Schulsozialarbeiter/-innen strukturiert und nachhaltig bearbeitet. Denn auch wenn der schulische Präsenzunterricht wieder startet, bedeutet dies nicht, dass ein sorgenfreier und gesunder Wiedereinstieg in die „Normalität, wie vor Covid-19“ automatisch gewährleistet ist. So nutzen nicht nur move&do, sondern viele weitere Laureus Förderprogramme die Kurs-Auszeit für eine verstärkte konzeptionelle Arbeit. Im Vordergrund steht, den Kindern und Jugendlichen zukünftig wertvolle Hilfestellungen auf ihrem „Weg aus der Krise“ anbieten zu können. Denn die Zukunft birgt einige (und teils noch unbekannte) Herausforderungen: neue Regeln des Miteinanders, Hygiene-Maßnahmen, einen Wiederaufbau einer teilweise verlorenen Nähe oder eine zu stärkende Sensibilität für unterschiedlichste Verantwortungen, auch aus Perspektive der Kinder und Jugendlichen.

Die Liste der anstehenden Herausforderungen wird lang, der „Werkzeugkasten“ zur Begegnung dieser Herausforderungen aber immer voller. Die Beispiele der Programme zeigen deutlich, dass die Situation sehr ernst genommen wurde und wie unterschiedlich kreativ und lösungsorientiert die Antworten auf die Situation ausgefallen sind.

Fazit: „Sport for Good“ passt sich den besonderen Herausforderungen dieser Krise  an

Doch zurück zur Ausgangslage. Schritt 2 des Krisenmanagements, die Ausarbeitung und Identifikation von Handlungsmöglichkeiten, ist vielen Programmen gelungen. Ob jene Ansätze zum erfolgreichen Ausweg aus der Krise beitragen können, bleibt vorerst unbeantwortbar. Uns wird Covid-19 noch eine Weile beschäftigen und die Sorge vor einem Wiederanstieg der Infektionszahlen bleibt bestehen. Aber eines kann dennoch bereits vorweggenommen werden: Sport for Good nimmt durch seine Akteure (als Teilnehmende, Projektleiter/-innen oder Programmkoordinator/-innen) nach wie vor eine unentbehrliche Rolle im Alltag vieler ein. Er besteht in digitaler Form auf dem Screen, reduziert in kleineren Gruppen im Park und als motivierende Aussicht für eine Zeit nach der Krise weiter. Und dafür sind all jene kleinen, kreativen Ansätze und Versuche der Sport for Good Community verantwortlich, die das Potential zur Stärkung der Gemeinschaft hochhalten. Denn so wie diese Krise einerseits isolieren kann, so birgt sie auch die Chance, die Empathie und Solidarität in der Gemeinschaft zu fördern.

Für die Voraussetzungen wurde gesorgt, jetzt muss sie nur noch kommen: die unbeschwerte Zeit für volle, mit Schweiß und Action geladenen Sporthallen. Wir freuen uns riesig darauf!

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On Juni 19, 2020
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