Projekt des Monats – Körbe für Köln

Allgemein, Blog

29.07.2015

Was ist der Kern des Projekts Körbe für Köln?

Der Kern von Körbe für Köln ist sportbezogene Jugendsozialarbeit. Wir versuchen sozial benachteiligte, sozio-ökonomisch schwache und bildungsferne Kids zu erreichen. Vorrangig geht es dabei um Kinder und Jugendliche im Übergang von Schule zu Beruf, die nicht klassisch in einem Sportverein sind und die vielleicht auch aus anderen Organisationen ein bisschen rausfallen. Wir machen mit ihnen mobile, zugehende, offene Jugendsozialarbeit und versuchen sie mit dem Sport, konkret mit Streetball, zu erreichen. Im zweiten Schritt schaffen wir dann eine Vernetzung einerseits zu berufsorientierenden Angeboten, zum anderen zu Vereinssportangeboten. Mit diesem Hauptsegment haben wir 2000 angefangen: Offene Sportangebote, niederschwelliges Erreichen dieser Zielgruppe mit einem sehr hohem Bedarf, also klassische „Brennpunktarbeit“. Das setzen wir in sechs Kölner Wohngebieten mit erhöhtem Jugendhilfebedarf um. Ergänzt wird dies um ein weites Spektrum an Events und Aktionen, auch Ferienangebote und Projektwochen. Außerdem fördern wir das Ehrenamt im Sport bei den Kids, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Verein.

 

Wie ist Körbe für Köln entstanden?

Die Idee ist um die Jahrtausendwende entstanden, weil die damals noch aktiven Basketballprofis von den Cologne 99ers sich gemeinsam mit ihrem Hauptsponsor vorgenommen hatten, etwas Soziales zu schaffen. Daraus wurde im Jahr 2002 die gemeinnützige Organisation Körbe für Köln e.V.. Dies ist ein Netzwerkverein aus dem Jugendamt und dem Sportamt der Stadt Köln, der Deutschen Sporthochschule Köln, dem Stadtsportbund Köln, der Rheinenergie AG und der Rheinenergie Stiftung Jugend, Beruf und Wissenschaft, welche auch die Anschubfinanzierung geleistet hat. Mit der Insolvenz der Basketballprofis ist leider dann auch der Hauptsponsor verschwunden – und damit ist die Finanzierung des Projekts ins Wanken geraten. Auch die Rheinenergie Stiftung musste sich nach vier Jahren gemäß ihrer Statuten aus der Förderung zurückziehen, ist aber weiterhin für die Geschäftsstelle und operativ im Vorstand aktiv. Nach einigen Jahren hat uns Laureus dann die Chance gegeben, einen Neustart zu machen. Dadurch finanzieren wir nun zum einen regelmäßige Angebote in sozial benachteiligten Wohngebieten, aber auch regelmäßige Events, Aktionen und Ferienaktionen.

 

Was ist neben der Finanzierung ein aktuelles Problem für euch?

Durch die neuen Ganztagsschulen ist es total schwierig, an die Kids heranzukommen, weil die ja jeden Tag bis 16 Uhr in der Schule sind! Wir haben zwar unsere Angebote von 16 bis 18 Uhr, aber das wird ihnen zu anstrengend: Wir haben mit der Einführung des Ganztagsangebots einen richtigen Zusammenbruch erlebt. Deshalb versuchen wir nun verstärkt mit Schulen direkt zusammenzuarbeiten, eigene AGs zu bilden und damit einerseits die Zielgruppe auch weiter zu erreichen, zugleich aber auch einen Übergang zum offenen Angebot zu schaffen. Es ist außerdem immer noch schwierig, an die weiblichen Heranwachsenden ranzukommen, da für sie, anders als für die männlichen Jugendlichen, Streetsport und öffentliche Inszenierung erst mal eher problematisch ist.

 

Wobei genau hilft euch die Laureus Stiftung?

Dank Laureus konnten wir zum einen die Mädchenförderung gezielt vorantreiben: Unsere Streetballangebote sind offen für alle und sollten gemischt sein – sind sie aber in der Realität nicht. Streetball ist immer noch ein Jungsthema, die Jungs inszenieren sich auf dem Feld, und dann kommen die Mädels und wissen gar nicht, was sie können. Sie trauen sich nicht. Durch die Unterstützung von Laureus konnten wir extra Mädchentrainings machen, damit die erst mal sehen was sie können, und dass sie auch gut sind. Sie trainieren zunächst in einer Halle, im geschützten Raum und erst später leiten wir das in Streetballangebote über.

Außerdem hat uns die Förderung der Laureus Stiftung sehr geholfen, das Projekt auch immer mehr in Richtung Inklusion zu öffnen. Wir konnten seitdem viel mehr mit Rollstuhl-Basketball und Rollstuhl-Sport im Allgemeinen machen. Hier arbeiten wir auch mit dem Deutschen Rollstuhlsportverband, aber auch mit dem Kölner Rollstuhlbasketballteam RBC Köln 99er e.V., Vize-Europameister, zusammen, und das ist für uns eine große Chance. Auch die Zusammenarbeit mit dem RSC Köln e.V., einem weiteren Rollstuhlsportverein in Köln ist sehr gut und vielversprechend.

 

Wie funktioniert denn das Thema Inklusion bei euch?

Gut. Hier gibt es zwei Sparten: Einmal das Thema umgekehrte Inklusion: hier gehen wir – bislang nur als Pilot – zum Beispiel in Schulen oder Kindergärten und machen mit den Kids einen Rollstuhlführerschein. Das heißt, Fußgänger-Kinder lernen wie man mit einem Rollstuhl kippt, die Bordsteinkante hochfährt, wie man sich damit bewegen und auch Spaß haben kann. Wenn wir an einer inklusiven Schule sind haben wir die Inklusion ja per se, da sind auch Rolli-Kids oder Kinder mit besonderem Förderbedarf dabei, aber auf Events oder an anderen Schulen sind es eben oft Kinder, die zum ersten Mal im Rollstuhl sitzen. Hier arbeiten wir meist mit einer Rollstuhlfahrerin als Expertin, die das Ganze anleitet. Das dient der Inklusion, bietet für die Kids zugleich aber auch ein niederschwelliges Erfolgserlebnis, das ist echt super. Wir haben einen Rollstuhlparcours, mit dem du auf jedes Stadtteilfest, auf jedes Schulfest oder Sportfest gehen kannst. Das ist wenig Aufwand mit großem Nutzen.

Die andere Sparte ist der Umstieg auf einen Sportrollstuhl mit Kippschutz und auf das Streetball-Thema. Da haben wir auch einige Events, wo wir zum Beispiel gemischt spielen – auf der einen Seite Rolli-Fahrer und auf der anderen Seite Fußgänger. Da haben wir dann auch viele Fußgänger im Sport-Rolli dabei.

 

Was ist euer aktuellstes Anliegen?

Wie überall in Deutschland wird die Arbeit mit Flüchtlingen immer wichtiger. Die Kids in den Flüchtlingsheimen haben ja überhaupt kein Freizeitangebot, und deswegen haben wir uns entschlossen, kostenfreie und offene Angebote für alle zu schaffen. Das ist natürlich ein Prozess – die Bezirksjugendhilfe möchte das machen, aber da brauchen wir natürlich noch zusätzliche Mittel und Kapazitäten. Natürlich bleiben unsere bestehenden Projekte und Kids dabei, denn auch hier macht es Sinn, sie zu integrieren. Dazu bietet der Sport natürlich die beste Chance, denn dabei musst du noch nicht mal die Sprache sprechen können. Es funktioniert gut, Gemeinsames über Sport, Spiel und Spaß zu finden. Außerdem wollen wir das Angebot unserer inklusiven Projektwochen an Kitas und Grundschulen ausbauen, weil dort die Pilotprojekte im letzten Jahr sehr gut liefen.

 

Was ist dein persönlicher Laureus Moment?

Das weiß ich noch heute ganz genau: Ich hatte eine offene Ferienaktion organisiert, da gab es über eine Woche verteilt von morgens bis nachmittags 76 verschiedene Sportarten, die die Kids ausprobieren konnten. Basketball war ein Teil, Rolli-Fahren war ein anderer Teil, es gab Klettern, Zirkus, alles mögliche. Zu dieser Aktion kam ein schwerstbehinderter Junge in einem unheimlich schwergängigen, alten Rolli, der immer von seiner Mutter geschoben werden musste – und den haben wir in einen Sportstuhl umgesetzt. Das war für ihn das erste Mal, dass er seinen Rollstuhl selbst bewegen konnte, dass er trotz Rollstuhl aktiv sein konnte. Und man merkte sofort, wie dieses Kind auflebte. Die Mutter hatte Tränen in den Augen. Das war der Moment, in dem wir merkten: Da müssen wir mehr machen. Daraus sind unsere Inklusionsprojekte, die Laureus erst ermöglicht hat, entstanden.

 

Autorin:

Dr. Sascha A. Luetkens ist Projektleiterin bei Körbe für Köln. „Sport für alle“ anzubieten ist ihr Antrieb, über Integration und Inklusion Chancengleichheit zu schaffen ihr Ziel. Dass das nicht nur ein hehres Ziel ist, sondern tatsächlich wunderbar funktioniert, merkt sie tagtäglich in ihrer Projektarbeit und an den strahlenden Augen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

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On Juli 29, 2015
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