Laureus Projekt Kick on Ice

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29.04.2015

Projektleiter Jan Kaminski im Interview

Worum geht es bei Kick on Ice?

Wir sind ein Berliner Eishockey-Projekt. Unser Ziel ist es, die Kids vor allem abends von der Straße zu holen, frei nach dem Motto: „Lieber Schwitzen statt Saufen“. Entstanden ist das Projekt vor elf Jahren mit sogenannten Mitternachtsturnieren, die immer samstags von 22 bis 24 Uhr stattfinden und von der Sportjugend Berlin und den Berliner Eisbären initiiert wurden. Mittlerweile sind wir so gewachsen, dass wir auch jeden Freitag 2 ½ Stunden Training haben, und ein bis zweimal im Monat eben diese Eisnächte. Da sind ganz verschiedene Kids im Alter von 14 bis 24 dabei.

Wie viele Kids machen bei euch mit?

Wir wachsen stetig. Seit letzter Saison haben wir noch eine weitere Eiszeit bekommen und können jetzt auch mit Schulen zusammenarbeiten, also auch mit jüngeren Kids, die allein beim Anziehen der Ausrüstung noch viel Hilfe brauchen. Mit den zwei Klassen zusammengerechnet haben wir jetzt so an die 200 Teilnehmer. In unseren Eisnächten finden auch Meisterschaften zwischen selbst organisierten Mannschaften statt, da sind jedes Mal etwa 100 Kinder vor Ort.

Was für Kids kommen zu euch ins Projekt?

Das sind vor allem Kids mit fehlenden Sportmöglichkeiten, aber auch viele, die einfach schon immer Eisbären- und generell Eishockey-Fans waren und das auch mal selbst ausprobieren wollen. Und erfahrungsgemäß ist es so: Wer einmal Feuer gefangen hat, den lässt dieser Sport nicht mehr los.

Unsere Teams sind gemischt, aber der Anteil von Mädchen ist ein bisschen geringer. Viele denken immer noch, dass das ein Jungensport ist, bei dem es heftig zur Sache geht – aber eigentlich ist Eishockey ein ganz alter Gentlemen-Sport, und spätestens auf dem Eis wird auch der lauteste Spieler zum echten Teamplayer. Wir arbeiten also daran, das zu ändern, und mittlerweile sind in den fünf oder sechs reinen Mädchentrainings pro Saison bis zu 50 Mädels auf der Eisfläche. In jedem Team haben wir zudem zwei oder drei Mädchen, und das funktioniert total gut.

Was unterscheidet euch von anderen Eishockeyvereinen?

Wir haben viele Kids dabei, die vereinsvorgelagert Sport machen wollen. Der deutsche Vereinssport fordert ja sehr viel Disziplin: Immer pünktlich sein, zu jedem Training kommen… Wir sind da ein bisschen lockerer – wir haben nicht ganz so oft Training, und wenn man mal nicht kommt ist es nicht so schlimm. Dadurch stellen wir eine gute Zwischenposition da: Sport ja, aber kein Stress. Bei uns lernen die Kids step by step Eishockey spielen, und besonders fitte Spieler können wir nach einer gewissen Zeit dann immer noch in klassische Eishockeyvereine vermitteln.

Sind eure Kids an der Projektorganisation beteiligt?

Ja, das geht gar nicht mehr anders, und das sehen die Kids auch. Wir sind zwei Projektleiter, ein Materialwart, dazu noch drei Honorartrainer – da müssen die Teilnehmer mithelfen, und das Schöne daran, das wollen sie sogar unbedingt! Eishockey ist mit viel Arbeit verbunden, sei es die Organisation oder das Taschenpacken. Wir haben auch einige „Kids“ dabei, die nach der ursprünglichen Ausrichtung des Projekts eigentlich viel zu alt für uns sind. Die wollten wir natürlich auf keinen Fall wegen ihres Alters vor die Tür setzen und haben sie stattdessen zu unseren sogenannten „Supportern“ gemacht, die jetzt quasi als Multiplikatoren mitwirken. Die müssen einen symbolischen Arbeitswert von sechs bis acht Arbeitsstunden pro Monat leisten und sind uns eine Riesenhilfe: Sie helfen, die Taschen zu packen, Meisterschaftsfeier und Sommerfest zu organisieren, und eine Gruppe erstellt sogar ein kleines Magazin. Da ist viel Engagement dabei.

Was ist für dich persönlich die größte Überraschung, die du bei Kick on Ice erlebt hast?

Eine einzige Sache zu nennen fällt da natürlich schwer: Es ist generell einfach so schön, mit den Kids auf dem Eis zu stehen. Diese Sportart ist wahnsinnig schnell und abwechslungsreich, was für mich auch genau der Grund ist, warum sich das so gut als Präventionssportarbeit eignet – da gibt es so viele kleine Etappen, so viele einzelne Erlebnisse, aus denen jeder Teilnehmer lernen kann. Das spannendste war für mich zu sehen, wie gut die Girls Night ankommt: Das sind einzelne Eisnächte, die wir mittlerweile zweimal pro Saison anbieten, in denen wir Projektleiter die einzigen Jungs in der Halle sind – und da die strahlenden Augen der Mädels auf dem Eis zu sehen, wenn sie sich mal nicht gegen die Jungs behaupten müssen, das ist schon extrem toll.

 Was ist die größte Herausforderung bei eurer Arbeit?

Mehr Zeiten auf dem Eis zu kriegen. Das ist nach wie vor schwierig, aber auch da sind wir auf einem guten Weg. Wir müssen immer schauen wann kein anderer kann, also zum Beispiel mittags. Ansonsten ist die größte Herausforderung, nach dem Sommer wieder alle aus dem Sommerschlaf zu holen, das dauert immer so ein bis zwei Monate – aber dann sind alle wieder voll dabei.

Und welche Momente belohnen für all den Einsatz?

Das Schönste für uns Trainer und Projektleiter ist es zu sehen, wie groß der Teamgeist bei unseren Kids ist. Wenn ein Tor fällt ist klar, dass alle auf dem Eis dieses Tor geschossen haben. Da gibt es nicht den einen Torschützen, sondern alle fünf Spieler auf dem Eis kommen zusammen und feiern das – weil alle wissen, dass gerade beim Eishockey auch die Vorlage so wichtig ist, nicht nur das finale Tor und wer das getroffen hat. Diesen Jubel in der Gruppe zu beobachten ist etwas ganz Besonderes. Genauso besonders wie die älteren Teilnehmer, die vor drei oder vier Jahren noch drohten straffällig zu werden – und jetzt einem kleineren Kind nach einem Sturz aufhelfen, als sei es das Selbstverständlichste auf der Welt. Diese Entwicklung mit zu verfolgen macht großen Spaß.

Autor:
Seit November 2011 ist Jan Kaminski als Übungsleiter bei dem Projekt – seit Oktober 2012 ist er Projektleiter. Sein Ziel: Den „Kids“ mit Hilfe des Sports zu zeigen, dass sie etwas leisten und sehr wohl schaffen können. Für Jan ist es nicht nur wichtig, die Fähigkeiten der Teilnehmer auf dem Eis zu verbessern, sondern sie fit für das echte Leben abseits der Eisfläche zu machen: den Horizont erweitern, sie motivieren für Ziele zu kämpfen und eventuell sogar zum Vorbild für andere zu werden – das möchte er den Projekt-Kids vermitteln… und welche Team-Sportart eignet sich da besser als Eishockey!

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On April 29, 2015
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