Kinder: Spiegel unserer selbst

Blog, Projekte, Stiftung

03.03.2014

Man könnte auch behaupten, die Kinder seien unser Spiegel. Wie es im Leben oftmals so ist, sind wir von unserem Spiegelbild nicht immer begeistert und manchmal erschrecken wir regelrecht, wenn wir uns so direkt und klar im Spiegel sehen. Nicht selten dimmen wir das Licht herab, um das Bild undeutlich werden zu lassen. Diejenigen unter uns, die eigene Kinder haben, kennen dieses Bild im Spiegel: „Mein Kind verhält sich genauso wie ich“. Oder um in den Worten von Jean-Jacques Rousseau zu sprechen: „Viele Kinder haben schwer erziehbare Eltern“.

Zurzeit vergeht keine Woche ohne ein Krisentelefonat oder Krisengespräch mit einer Schule. Sprachen wir früher über eine schwierige Schulklasse pro Schule, liegt der Wert heute fünfmal so hoch. Tendenz steigend! Der Inhalt ist dabei immer gleich: „In dieser Klasse muss unbedingt und dringend das Gemeinschaftsgefühl gestärkt werden. Gegenseitiges Vertrauen ist den meisten Schülern fremd, dafür beleidigen sie sich permanent und gehen sich gegenseitig an. Mittlerweile leidet auch die Schulleistung unter dieser Situation.“ Die Fakten sprechen für sich, die Schulen schlagen Alarm. Alarm wird nach der Definition von Wikipedia durch die persönliche Beobachtung eines Schadenfalls ausgelöst. Dieser Alarm wird dann an eine bestimmte Zielgruppe gerichtet, damit diese auf den Schadenfalls aufmerksam wird und somit anschließend darauf reagieren kann. move&do gehört zu dieser Zielgruppe!

Unsere Analyse ist meist keine andere, die Antworten bleiben schwierig, zumindest aber sind unsere Methoden vielfältig. Unser Ergebnis mag etwas besser sein und das Gemeinschaftsgefühl durch unsere Arbeit dem einen oder anderen etwas bewusster, jedoch verspüren auch wir in unserer Arbeit, dass die großen Fortschritte ausbleiben. Nur bei massivem Entgegensteuern und einem verstärkten zeitlichen und inhaltlichen Einsatz stellen sich langsam Veränderungen ein. Alte Verkrustungen müssen erst gelöst werden, um einen Schritt in die richtige Richtung zu machen. Nur was ist die richtige Richtung? Haben wir eine gemeinsame Definition? Wir? Unser Team, wir Pädagogen, Lehrer, Eltern und somit alle – die Gesellschaft? Wenn ja, warum gibt es bei einer gemeinsamen Definition dann soviel Probleme in den Schulen? Fragen, auf die ich keine abschließenden Antworten geben kann und möchte.

Meinen Schülern vermittele ich immer nur eines: der Begriff „Teamarbeit“ beinhaltet nicht umsonst das Wort „Arbeit“. Ein Team muss erarbeitet werden, es bedarf sich mit viel Einsatz und Leidenschaft in die Gemeinschaft einzubringen. Es ist unsere Aufgabe daran zu arbeiten, ebenfalls mit viel Einsatz und Leidenschaft – dafür sind wir Pädagogen. Aber wir brauchen ein Team, ein Netzwerk, das sich dieser Aufgabe gemeinsam stellt.

Nun möchte ich meine Anfangsthese erneut aufgreifen, in der ich Kinder als ein „Spiegel unser Selbst“ bezeichne. Dies würde in der Umkehr bedeuten, dass wir unseren Kindern diesen Egoismus, die gegenseitige Missachtung und das Ignorieren von Autoritäten vermitteln. Also geschieht der Wandel bewusst und zu unserer Zufriedenheit. Anders sind die zunehmenden Zahlen der verlorenen Gemeinschaft und der Missachtung untereinander in den Schulklassen nicht zu erklären. Warum nehmen die Zahlen so rasant zu, wenn wir es eigentlich gar nicht wollen? Und warum tragen die Lehrer und Pädagogen hierfür die alleinige Verantwortung? Ist der Umgang untereinander, das Verständnis von Gemeinschaft, die Achtung des daraus resultierenden Respekts gegenüber des Anderen eine gesellschaftliche Verantwortung? Wollen wir nicht alle geachtet und wahrgenommen werden? Seit wann will der Mensch isoliert und alleine leben?

Vielleicht sollten wir uns einfach mal wieder Zeit für die Kinder nehmen, sie beachten und somit achten. Vielleicht sollten wir einfach mal wieder eine Autorität sein, die einem Kind Sicherheit gibt und jegliche Angst nimmt. Vielleicht sollten wir unseren Kindern Gemeinschaft vorleben und nicht immer unsere individuellen Bedürfnisse in den Vordergrund stellen und vielleicht sollten wir uns einfach mal wieder auf das Wesentliche konzentrieren, die Vorbildfunktion gegenüber unseren Kindern. Diesem versuchen wir als move&do täglich nachzukommen. Achtungsvoll mit unseren Projektkindern umzugehen, ihre Bedürfnisse wahrzunehmen, ihnen die Wichtigkeit einer Gemeinschaft zu vermitteln und ihre Fähigkeiten hervorzuheben und zu stärken. Nur braucht diese Arbeit ein Netzwerk von Lehren und Pädagogen sowie starke Eltern und vor allem eine starke Gesellschaft. Hierzu rufe ich auf, denn alleine schaffen wir es nicht!

„Der Schulerfolg von Kindern hängt in hohem Maße von ihrem familiären Hintergrund ab – weitaus mehr als von schulischen Faktoren“. (vgl. OECD 2001)

Autoren:
Carola Bugert (MBA und Diplom-Sportwissenschaftlerin) und Marcus Weber (Diplom-Sozialpädagoge (BA)) arbeiten mittlerweile seit sechs Jahren als Team zusammen. Die beiden Erlebnispädagogen zeigen Stuttgarter Schülerinnen und Schülern nicht nur wie sie ihre sozialen Kompetenzen stärken können sondern vermitteln ihnen auch, dass sie ein wertvoller Teil der Gesellschaft sind. Seit 2014 wird das Team durch Laura Hübsch (Sportwissenschaftlerin (B.A.) verstärkt. Ein Team, das durch dick und dünn geht, gemeinsam mit den Kids Abenteuer erlebt und sich als Vorbilder in allen Lebenslagen versteht.

» Blog, Projekte, Stiftung » Kinder: Spiegel unserer selbst
On März 3, 2014
By
, ,

« »

zurück zu "Blog"

ALTRUJA-BUTTON-OV6M