Rassismus im Sport - Martin Hyun - Laureus Sport for Good

Hockey is diversity – Rassismus im Sport

Allgemein, Blog

21.03.2018

Der 21. März ist der internationale Tag gegen den Rassismus. Passend zu dieser Gelegenheit erzählt Martin Hyun seine Geschichte – die des ersten koreanisch-stämmigen Eishockeyspielers in der DEL. Leider ist Rassismus im Sport immer noch zu finden. Gleichzeitig kann der Sport diese Vorurteile aber auch abbauen, denn auf dem Eis zählt allein die Leistung und nicht die Herkunft. 

Meine Eltern kamen 1969 und 1971 aufgrund des Anwerbeabkommens zwischen der BRD und Südkorea als Gastarbeiter nach Deutschland. Ich bin in einem multikulturellen Stadtbezirk Krefelds aufgewachsen. In meiner Grundschule waren einheimische Deutsche in der Minderheit. Nach seiner Bergarbeitertätigkeit arbeitete mein Vater als Vorarbeiter für Thyssen Edelstahl. Er war ein passionierter Taekwondo-Sportler, Koreas Nationalsport Nummer eins. Mein Vater sorgte sich, dass ich auf die schiefe Bahn geraten könnte. Er dachte sich, dass eine Teamsportart mir Disziplin beibringen würde – und was lag in Krefeld näher als Eishockey?

Und so schleppte mich mein Vater zum nächsten Eishockeyladen und kaufte mir ein paar neue Schlittschuhe, ging mit mir zum Krefelder Eislauf Verein (KEV) und meldete mich dort an. Ehe ich mich versah, war ich mit fünf Jahren Mitglied der Bambini Mannschaft des KEV. Durch den Sport habe ich viele Länder bereist, die unterschiedlichsten Kulturen und Menschen kennengelernt. Und die Eishockeywelt ist eine ganz Besondere. In meiner Zeit in Amerika habe ich das Privileg gehabt, den „Miracle on Ice“ Trainer der US-Nationalmannschaft Herb Brooks kennenzulernen, der mir auf meinem Lebensweg das Credo mitgab:  „45 minutes, no regrets“.

Der Sport hat mir ermöglicht, sechs Jahre in Amerika zu verbringen. Dort habe ich etwas Wichtiges gelernt, dass der Sport immer eine sekundäre Rolle spielt und primär einem die Möglichkeit schenkt, durch den Sport andere Menschen positiv zu beeinflussen. Auch heute erinnere ich mich noch gerne an die Begegnung mit Jugendlichen aus schwierigen Familienverhältnissen zurück und ich hoffe, dass ich den einen oder anderen Teenager erreichen konnte. Die Zeit in Amerika war sehr intensiv. Vor allem öffnete sie mir die Augen, dass der Sport ein Weg ist, um Menschen Mut zu machen und zu inspirieren. Ich hatte mir geschworen, mich nach meiner Rückkehr nach Deutschland nicht nur auf die Rolle eines Sportlers zu beschränken. Ich wollte etwas von dem, was ich in Amerika gelernt habe, in Deutschland umsetzen.

Als ich 2004 zu der Profimannschaft der Krefeld Pinguine gehörte, gründete ich mit Sportlerfreunden, u.a. der ehemaligen Olympionikin Anne Poleska, eine Initiative, die sich um krebskranke Kinder kümmert. Auch Jugendliche aus bildungsfernen Familien sind mir ein besonderes Anliegen. Und so gründete ich ein Mentoring-Projekt, um jene Jugendliche auf einem Lebensabschnitt zu begleiten. Während meiner Schulzeit hätte ich mir solch eine Begleitung gewünscht. Während meiner Universitätszeit in den USA fand ich immer schon Gefallen an dem Zitat der amerikanischen Anthropologin Margaret Mead, die einst sagte:

„Zweifle nie daran, dass eine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann. Tatsächlich ist dies die einzige Art und Weise, in der die Welt jemals verändert wurde.“

Im Jahr 2010 gründete ich mit meinem Freund Peter Goldbach die Initiative Hockey is Diversity , die seit September 2015 ein gemeinnütziger Verein ist. Mit Hockey is Diversity e.V. wollen wir vor allem eines: Dass die Vielfalt, die im Sport schon lange als Bereicherung und Normalität angesehen wird, auch in die Gesellschaft übertragen wird. Als Deutscher mit koreanischen Wurzeln, in einer Sportart, die normalerweise nicht mit Asiaten assoziiert wird, habe ich nicht nur positive Erfahrungen gesammelt: Rassistische Sprüche, die ich als „Provokationen“ erdulden musste, gehörten zu meinem Alltag.

Im sächsischen Weißwasser schrie mir ein Betreuer der Gastmannschaft zu: „Spiel auf dem Reisfeld!“ So manch einer aus dem Publikum ergötzte sich daran, mich mit Namen von Gerichten zu benennen: „Nasi Goreng!“, „Chop-Suey“ oder „Peking Ente“. „Hey Kamikaze!“ riefen Gegenspieler. Das Zeigen von Schlitzaugen war nichts Ungewöhnliches. Für einen Zollbeamten am Flughafen war es wahrscheinlich nicht alltäglich, einen Deutschen mit asiatischem Gesichtsausdruck als Eishockeyspieler zu sehen, deshalb wohl stellte er mir die Frage, ob ich zu einem Tischtennisturnier fliegen würde.

In einer Mannschaftsportart ist nicht die Herkunft eines Spielers ausschlaggebend, sondern die Leistung eines jeden Einzelnen. Nicht anders funktioniert es auch außerhalb des Sports. Der Sport nimmt eine überaus wichtige Brückenfunktion in der Gesellschaft ein und ist ein Schmelztiegel von Menschen verschiedener Ethnien, Kulturkreise und Religionen. Weil sich das Tempo des Wandels durch die Globalisierung beschleunigt und dabei nur Wenige aufsteigen und die Mehrheit absteigt, ist es in diesen Zeiten schwieriger geworden, so etwas wie ein Zusammengehörigkeitsgefühl in unserer Gesellschaft aufrechtzuerhalten. Die Flüchtlingsdebatte zeigt dies.

Und das macht Organisationen wie die Laureus Sport for Good Foundation unverzichtbar. Hockey is Diversity e.V. und Laureus verfolgen ähnliche Ziele und so freuen wir uns, dass sich die Wege nun gekreuzt haben und es hoffentlich in naher Zukunft gemeinsame Projekte geben wird, die möglichst viele Menschen erreichen und inspirieren.

 


Autor: Martin Hyun war der erste koreanisch-stämmige Eishockeyspieler in der DEL und spielte unter anderem für die Krefeld Pinguine. Mit dem gemeinnützigen Verein „Hockey is diversity“ möchte Hyun nun etwas an die Gesellschaft zurückgeben – und Kinder und Jugendliche für seinen Sport zu begeistern, egal welcher Herkunft.

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On März 21, 2018
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