Das Strahlen in ihren Augen

Allgemein, Blog

05.01.2016

August 2014, Flüchtlingsheim. Die Sonne scheint, über 30 Grad. Die Kinder sitzen auf den Treppen vor dem Flüchtlingsheim in Köln-Chorweiler. Ein weißer Wagen kommt angefahren und hält direkt vor der Treppe. Die Kinder betrachten ihn mit neugierigen Blicken – es ist das Sport- & Spiele-Mobil. Wenige Minuten später haben wir einen Basketballkorb aufgebaut und verteilen Spiel- und Sportsachen. Es kommen immer mehr Kinder angelaufen und wollen mitspielen. Wir können einiges, was die Kinder sagen, nicht verstehen, vieles verstehen wir aber auch ohne Worte.

Da meine Eltern auch als Flüchtlinge nach Deutschland kamen und die ersten Monate in Flüchtlingsheimen verbrachten, kann ich die Sorgen und Ängste der Kinder verstehen. Ich sehe, wie wir von Körbe für Köln Hoffnung in ihnen wecken – denn ich sehe das Strahlen in ihren Augen.

Dezember 2014, X-Mas-Turnier. Eisig kalt draußen, hier und da etwas Schnee, angenehm warm in den Abenteuerhallen-Kalk. Wir sind in einem Stadtteil, der als sozialer Brennpunkt gilt. Viele Arbeitslose, viele Jugendliche ohne wirkliche Zukunftsperspektive. Hip-Hop-Musik strömt aus der Anlage auf das Basketballfeld. Die Teams bereiten sich schon mal auf das Turnier vor, spielen sich warm. Viele sind jedes Jahr hier, um am Turnier teilzunehmen. Es sind Jugendliche aus ganz Köln. Manche kommen aus ökonomisch schwachen Familien, andere sind gehandicapt, sitzen z.B. im Rollstuhl. Doch eines haben alle gemeinsam: Sie haben Spaß am Basketballspielen.

Ich kenne die Probleme der Jugendlichen, die einen ökonomisch schwachen Hintergrund haben. Ich komme selbst aus einer Arbeiterfamilie. Wer aus einer Arbeiterfamilie kommt, schafft es seltener an eine Uni – das belegen Statistiken. Ich studiere nun seit drei Jahren und hoffe, dass ich damit auch ein Vorbild für viele da draußen sein kann. Das Turnier geht dem Ende zu und die Preisverleihung folgt. Der erste Platz steht fest; aber gewonnen haben alle Teilnehmer des Körbe für Köln X-MAS-Turniers – denn ich sehe das Strahlen in ihren Augen.

Juni 2015, Kindersportfest. Am Himmel sind dicke Wolken zu sehen, dann regnet es, doch dann scheint die Sonne. Genauso unterschiedlich wie das Wetter an diesem Tag, sind auch die Kinder, die zu uns kommen. Aus der Ferne sehe ich, wie ein Vater mit seinem Sohn angelaufen kommt. Das farbige Kind trägt ein Deutschland-Trikot, was ihm ausgesprochen gut steht. Dann kommt eine Mutter mit ihren drei Kindern zu uns, sie trägt ein Kopftuch. Die Kinder wollen den Rollstuhl-Parcours ausprobieren und sind total begeistert. Ein weiteres Kind kommt angerannt und versucht den Basketball-Korb zu treffen. Volltreffer! Beim jährlich stattfindenden Kindersportfest ist egal, ob du Deutscher oder Türke, egal ob du schwarz, weiß oder gelb bist, im Rollstuhl sitzt, Bayern- oder Dortmund-Fan bist, alle haben Spaß.

Im Alltag werde ich selbst oft einfach als „Ausländer“, als etwas Fremdes, abgestempelt. Aber im Sport ist es anders, denn Sport kann die verschiedensten Menschen zusammenbringen und dadurch Vorurteile bekämpfen. Ich sehe, wie wir von Körbe für Köln Kulturen verbinden und den Kindern zeigen, wie viel Spaß es macht gemeinsam zu spielen – denn ich sehe das Strahlen in ihren Augen.

Das sind nur drei von unzähligen Beispielen, wie das Laureus Sport for Good Projekt Körbe für Köln Menschen inspiriert. Ich bin nun schon seit über vier Jahren bei Körbe für Köln. Doch nicht nur die Teilnehmer bereichern meine Mitarbeit bei Körbe für Köln, sondern sie bringt auch mich selbst weiter. Neben dem Aspekt, dass es mich in meiner Persönlichkeit fördert, habe ich durch mein Engagement bei Körbe für Köln und unterstützt durch die Projektleitung Stipendien des Landessportbund NRW und der Volker-Staufert-Stiftung erhalten, die mir helfen, mein Medizin-Studium zu meistern.

Was Nelson Mandela einst sagte, sehe ich immer wieder bei meiner Arbeit für Körbe für Köln:

„Sport hat die Kraft, die Welt zu verändern. Er hat die Kraft, zu inspirieren. Er hat die Kraft, Menschen zu vereinen, wie es sonst nur weniges kann. Sport kann Hoffnung erwecken, wo vorher nur Verzweiflung war.”

Autorin:
Aisha ist seit 4 Jahren aktive Ehrenamtlerin und Teamerin für den Körbe für Köln e.V. Da ihre Eltern aus Pakistan sind, spricht Aisha verschiedene Sprachen und hat besondere interkulturelle Kompetenzen. Sie ist damit in unserem Laureus Projekt Körbe für Köln e.V. eine wichtige Brücke zwischen Kulturen und Religionen der Zielgruppen. Sie studiert aktuell Medizin, um auch im Anschluss an ihr Studium anderen Menschen helfen zu können.

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On Januar 5, 2016
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