Das Laureus Sport for Good Förderprogramm abseits – beyond the field im Interview

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30.09.2021

Das Laureus Sport for Good Förderprogramm abseits – beyond the field im Interview:
“Mit unserer Arbeit wollen wir die Jugendlichen wieder zurück aufs Spielfeld holen, zurück in ein selbstständiges Leben.”

Die erste Lehrstellen-Vermittlung an einen Programmteilnehmer haben wir zum Anlass genommen, uns mit dem relativ jungen Laureus Sport for Good Förderprogramm abseits – beyond the field auszutauschen. Die beiden Programmleiter*innen Manuela Pleninger und Herbert Wührer sprachen mit uns darüber, welche Ziele abseits verfolgt, wie die Arbeit des Salzburger Präventions- und Resozialisierungsprogramms aussieht und was ihre persönliche Motivation für dieses besondere Angebot war.

Vielleicht kurz zum Einstieg: Warum eigentlich abseits bzw. auch abseits – beyond the field?

Manuela Pleninger: Wir fanden, dieses abseits beschreibt die Zielgruppe, die Jugendlichen, die im Abseits stehen oder ins Abseits gedrängt wurden, sehr gut. Salzburg ist für seine Festspielkultur und als sehr reiche Stadt in Österreich bekannt. Da war der Name abseits dann sehr prägnant für das Thema.

Herbert Wührer: Außerdem ist abseits ein bekannter Begriff aus dem Fußballsport. Und der hat Parallelen zu unserer Zielgruppe, die auch eine gewisse Linie überschritten hat. Anstatt des Schiedsrichters ist es in diesen Fällen aber die Justiz, die die Überschreitung anzeigt. Mit beyond the field wollen wir vermitteln, dass die Teilnehmenden nicht nur abseits am Feld, sondern auch abseits weit darüber hinaus gelandet sind. Mit unserer Arbeit wollen wir die Jugendlichen wieder zurück aufs Spielfeld holen, zurück in ein selbstständiges Leben.

Ihr Programm richtet sich speziell an Jugendliche, die bereits strafrechtlich erfasst oder sogar inhaftiert wurden. Welches Ziel verfolgt abseits generell?

Pleninger: Unsere Vision ist eine Gesellschaft, in der delinquenten Jugendlichen ein Mindestmaß an Chancen ermöglicht wird, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können und dadurch ein aktives Mitglied der Gesellschaft zu werden.

Wührer: Und daraus abgeleitet ist unser Ziel, die Jugendkriminalität in der Gesellschaft mit den Mitteln der Prävention und der Resozialisierung zu minimieren.

Wie gehen Sie diese beiden Aspekte an?

Wührer: Prävention heißt für uns, dass wir uns als Projekt in den Stadtteilen, insbesondere in den Brennpunktvierteln, wo der sozioökonomische Status strukturell bedingt ist, sichtbar machen. Die Jugendlichen aus den Stadtteilen, die von diesem, wir nennen es im Projekt „Risikofaktoren“ betroffen sind, sollen uns sehen. Die Jugendlichen sollen möglichst assoziieren, dass das Projekt sich mit der Vermeidung von Kriminalität oder mit der Resozialisierung auseinandersetzt. Wir wollen vermitteln, was Inhaftierung wirklich bedeutet. Viele Jugendliche in diesen Stadtteilen glauben, das sei eine Art „Urlaub“, da ihnen das Ausmaß einer Haftstrafe nicht bewusst ist.Was es aber heißt, wenn da eine Tür ist, die du nicht aufsperren kannst, das verstehen die wenigsten. Zudem bekommen wir durch die Präventionsarbeit einen Einblick, was in den einzelnen Stadtteilen vorgeht. In diesem Kontext arbeiten wir stark mit den Jugendzentren zusammen, weil diese eine hohe Expertise in den Stadtteilen haben.

Und falls ein Jugendlicher dann aber doch straffällig geworden ist?

Pleninger: Wir wollen die Jugendlichen befähigen und ermächtigen ein selbstbestimmtes, selbstgeführtes Leben zu leben. Sie sollen sich als ein wertvolles Mitglied aktiv in der Gesellschaft beteiligen. Den Weg dorthin versuchen wir in Form von Arbeitsintegration und Weiterbildung im Resozialisierungsprozess zu erreichen. Insbesondere die Wiederholungstäter sind für uns eine wichtige Zielgruppe, da die Wiederholungstäterschaft gerade bei jungen Männern sehr hoch ist.

Wieso haben Sie sich dann konkret für den Fußballsport entschieden? Warum nicht für Kunst, Musik, Theater? Schließlich gibt es verschiedene Freizeitaktivitäten.

Wührer: Der Sport ist der wesentliche Schlüssel, um die Jugendlichen zu erreichen, sowohl in der Prävention als auch in der Resozialisierung. Der Sport eröffnet den ersten Zugang mit dem man dann eine von Vertrauen geprägte Beziehung aufbauen kann – denn ohne Beziehung kein Erfolg. Wenn wir das nicht schaffen, dann werden wir es auch nicht schaffen, einen Resozialisierungsprozess auch nur ansatzweise zu erreichen. Beziehung ist das A und O. Der Sport vermittelt zudem so viele Kompetenzen, die man im Leben braucht und diese muss man irgendwann einmal erfahren oder erwerben. Da ist so viel positive Energie drin, wie selten durch etwas anderes oder andere Tätigkeiten hervorgerufen werden kann. Speziell Fußballsport, weil er bei jungen Männern doch eine große Beliebtheit erfährt. In den Stadtteilen haben wir es adaptiert, wenn es Jugendliche gab, die beispielsweise lieber Volleyball spielen. Die Jugendlichen können bestimmen, welchen Sport wir mit ihnen betreiben. Aber im Gefängnis ist es aktuell der Fußballsport, weil das den Jugendlichen am meisten Spaß macht.

Pleninger: Zudem ist diese Sportart niederschwellig, kostengünstig und geht mit wenig Regelerklärungen einher, wobei es natürlich Regeln gibt, die essenziell für das Spiel sind. Für uns ist der Fußball das Medium, um uns gemeinsam auf ein Spielfeld oder auf ein Arbeitsfeld zu begeben und gemeinsam an Themen und Kompetenzen zu arbeiten.

Ihre Zielgruppe richtet sich hauptsächlich an Männer. Haben Sie denn auch Frauen in Ihrem Programm? Welche Zielgruppe bedienen Sie spezifisch?

Pleninger: In der Justizvollzugsanstalt arbeiten wir aktuell nur mit jungen Männern. Es ist aber schon auch ein Gedanke, das Programmangebot zukünftig auch auf Frauen auszuweiten, wobei in Salzburg in der Justizvollzugsanstalt wirklich nur ein kleiner Teil Frauen inhaftiert ist. Aber außerhalb der Stadtteile treffen wir sehr wohl auf alle Geschlechter, da werden die Gruppen gemischt. Da kann jeder dieses Volleyball- oder poly-sportive Ballsportartenmodell besuchen, wodurch auch neue Freundschaften und neue Gruppierungen gebildet werden sollen. Uns war von Anfang an wichtig, dass ein diverses Team die Jugendlichen betreut und alle Geschlechter in den Projekten Platz finden.

Merken Sie denn einen Unterschied in der Entwicklung von Männern und Frauen, die aktuell an Ihrem Programm teilnehmen?

Pleninger: Da wir im September 2020 mit dem Projekt gestartet haben, ist es natürlich schwierig zum jetzigen Zeitpunkt über Zahlen oder Entwicklungen zu sprechen. Die Coronapandemie und die Lockdowns haben den Zugang zu den Hallen erschwert, sodass bisher nur eine begrenzte Anzahl an Trainingseinheiten in den JVAs stattfanden. In einem Jahr können wir dann schon mehr berichten.

Wührer:  Aber wir können schon von einem großen Meilenstein in dieser jungen Phase des Programms berichten, da wir einem Jugendlichen eine Lehrstelle als Koch vermitteln konnten.

Herzlichen Glückwunsch zu diesem Erfolg! Aber wie genau sieht Ihre Arbeit aus, bis es so weit kommt? Wie gehen Sie hier vor und wie integrieren Sie die Jugendlichen in Ihrem Programm?

Wührer: Wenn wir im Gefängnis sind, besprechen wir mit den Jugendlichen, welches Potential das Projekt hat. Wenn dann jemand das Gefühl hat, er braucht Unterstützung oder er hätte gerne die Möglichkeit innerhalb des Projekts eine Weiterbildung oder Ausbildung zu machen, dann kann er das kundtun. Das heißt, die Teilnehmenden müssen das Interesse von sich aus äußern. Ob eine Teilnahme dann möglich ist, sprechen wir mit dem sozialpädagogischen Dienst ab, welcher uns auch unterstützt, weil dieser für die Zukunftsgestaltung zuständig ist. Nachdem die Jugendlichen aus der Haft entlassen werden, unterliegen sie oft einer Bewährungshilfe, welche den Jugendlichen zur Seite steht. Wenn von Seiten der Eltern kein Support vorhanden ist, was bei relativ vielen der Fall ist, bekommen diese auch Einzelbetreuung von sozialen Vereinen. Die Einzelbetreuer arbeiten kooperativ mit den Jugendlichen, suchen uns auf und wir gehen zusammen sukzessive weiter vor. Tendenziell machen wir noch ein adäquates Screening, welche Genese hat der Interessent in dem Kontext Kriminalität und passt das zur Lehrstelle, die wir ihm vermitteln. Außerdem helfen wir auch bei der Vorbereitung für die Bewerbung und machen einen Bewerbungsunterlagen-Check, da haben wir schon ein richtiges Vorgehen etabliert. Dabei haben wir ursprünglich nie vorgehabt die Jugendlichen bis in den Beruf zu begleiten. Ich habe damals mit einem Betriebsleiter über unser Projekt gesprochen und durch seine Ader für Leute, die es schwer haben im Leben, sind wir zu dem Entschluss gekommen, zusammen zu arbeiten. Und auf einmal waren wir mit unserer Arbeit im arbeitsintegrativen Spektrum beteiligt. Das heißt, wir schaffen die Verbindung zum Betrieb und machen die Begleitung für die Jugendlichen. Wichtig ist aber an dieser Stelle hervorzuheben, dass man nicht inhaftiert gewesen sein muss, um von uns diese Art der Mentorenschaft zu erhalten. Das ist für uns ganz wichtig, weil diese intrinsische Motivation des Jugendlichen die Basis ist, dass wir überhaupt eine Chance haben, dass der Jugendliche die Ausbildung macht. Und wir haben meiner Meinung nach auch die gesellschaftliche Verantwortung, jene Personen abzuholen.

Pleninger: Herbert hat diese umfangreiche Netzwerkarbeit gut beschrieben. Ein Netzwerk aus Stadtteil-Arbeit, JVA, Bewährungshilfe und einem sozialen Verein – das hat gefehlt in Salzburg. Bisher hat jeder eher für sich gearbeitet.

Man merkt auf jeden Fall, dass Sie mit viel Herzblut an dem Programm hängen. Gab es denn auch eine persönliche Motivation, weshalb Sie abseits gegründet haben?

Pleninger: akzente Salzburg – Initiativen für junge Leute! ist ein Social-Profit-Verein des Landes und Träger unseres Projektes. Ich bin dort die Abteilungsleiterin für Integration, Sport und Frauen. Ich arbeite auch in anderen Projekten gegen Sexismus, Rassismus und Diskriminierung. Da war es für mich einfach wichtig auch noch eine Zielgruppe abzubilden, die bisher bei akzente Salzburg nicht fokussiert wurde oder im Land Salzburg im Abseits stand, beziehungsweise noch nicht Gehör fand. Zudem bin ich im Sport groß geworden und habe erfahren, was mich der Sport gelehrt hat, welche Kompetenzen und Fähigkeiten mir meine Teams, meine Begleiter*innen, meine Trainer*innen gelehrt haben. Vom Auspowern bis zur Selbstregulierung – das ist einfach alles, was der Sport mitbringen kann für diese Zielgruppe.

Das sind viele Aspekte, die heutzutage immer bedeutender werden. Herr Wührer, was war Ihre Motivation?

Wührer: Zunächst muss ich sagen, dass es unfassbar toll ist, einen Partner wie Laureus Sport for Good zu haben, der einem überhaupt ermöglicht sich so einer Zielgruppe zu widmen. Ohne diesen Spirit hätten wir gar nicht erst die Möglichkeit gehabt. Meine persönliche Motivation hat mit meiner persönlichen Geschichte zu tun. Ich sitze jetzt hier und kann mich super artikulieren, aber das war nicht immer so. Ich komme aus genau dem Stadtteil, wo man systemische Benachteiligungen erlebt, diskriminiert wird, schon alleine aufgrund der Adresse, die man auf seine Bewerbung schreibt. Und wenn du aus einer Welt kommst, die mit Gewalt, Diskriminierung und Benachteiligung beladen ist, dann verstehst du die Welt auf eine besondere Art und Weise. Ich bin an einem Punkt gestanden in meinem Leben, wo ich gewusst habe, wenn ich so weiter mache, nimmt das kein gutes Ende und habe dann Menschen gehabt, die mich unterstützt haben. Mit meinen Erlebnissen, habe ich ein ziemliches Wissen erlangt und Erfahrungen gesammelt, die ich heute an die Jugendlichen weitergeben kann. Ich kann sie verstehen, ich kann mit ihnen kommunizieren und weiß genau, welche Emotion da kommt. Den Jugendlichen zu vermitteln, auf eine zivilisierte Art und Weise mit Konflikt umzugehen, ist die Kür schlechthin. Und das ist meine Motivation – dass ich mein Wissen aus dem Sektor weitergebe und den Betroffenen Unterstützung und Hilfeleistung anbiete. Und das Projekt lebe ich, weil es so wichtig ist.

Sie kennen sicherlich viele verschiedene Sportprogramme in Salzburg und in der Region, aber Laureus Sport for Good fördert abseits. Was würden Sie sagen, unterscheidet abseits von anderen sozialen Sportprogrammen? Was macht Ihr Programm so besonders?

Pleninger: Unser USP ist, dass wir ein Tabu-Thema und eine stigmatisierte Gruppe angehen. Wir sind sehr froh darüber, dass wir zusammen mit Laureus Sport for Good und akzente Salzburg sowie anderen Fördergeber*innen offen und ehrlich diese Randgruppe fokussieren.

Wührer: Und was uns noch so einzigartig macht, ist der Zugang. Ich kenne kaum ein Projekt, dass mit einer JVA zusammenarbeitet. Außerdem versuchen wir uns langfristig in einem Sektor zu etablieren, der wichtiger ist, denn je. Wir haben auch präventiv gewusst, dass die Corona-Pandemie vermutlich eine Wirtschaftskrise verursachen wird. Es gibt genügend Studien, die zeigen welche Korrelation zwischen Wirtschaftskrise und Kriminalität besteht. Das heißt, es war jetzt der richtige Zeitpunkt, um abseits zu etablieren und eine Brücke zwischen der JVA und danach zu bauen.

Die gleiche Frage auch an Annalena Rosier von Laureus Sport for Good. Die Stiftung kennt sich im Sport for Development Sektor aus und fördert viele verschiedene soziale Sportprogramme in ihrem Portfolio. Was macht denn Ihrer Meinung nach abseits so besonders? Wodurch sticht deren Programmangebot hervor?

Annalena Rosier: Zum einen ist das die besondere Zielgruppe, da der Fokus auf den Jugendlichen liegt, die sonst vielleicht unter dem Radar verschwinden würden und in der Gesellschaft nicht präsent wären. Zum anderen ist es das angesprochene Gesamtkonzept. Es geht nicht nur darum ein Bewegungsangebot zu schaffen, sondern darum, Schnittstellen zu verknüpfen und die Jugendlichen von Anfang bis Ende zu begleiten – und zwar nicht nur in der JVA, sondern auch darüber hinaus. Neben dem Bewegungsangebot soll mithilfe des Sports ein Angebot hervorgebracht werden, wodurch gesellschaftliche Probleme angesprochen und bekämpft werden. Genau das ist für uns dieser Sport for Good Charakter, den wir als Laureus unterstützen wollen. Wir sind sehr froh als Fördergeber abseits in der Entwicklung unterstützen zu dürfen und es ist sehr spannend, diesen Prozess zu begleiten.

Was genau heißt Sport for Good?

Rosier: Der Sport dient sozusagen nur als erster Magnet. Er ist ein einfacher, niederschwelliger Zugang, durch den die Jugendlichen erreicht werden können. Außerdem ist der Sport der Ausgangspunkt, auf dem alles Weitere aufbauen kann. Natürlich kann es immer sein, dass man Leute hat, die einen Dropout haben und dann aussteigen. Das ist auch legitim und nicht immer vermeidbar. Wichtig ist, dass man ein langfristiges Ziel hat, mithilfe des Sports etwas zu erreichen und nicht nur um des Sports selbst Willen, etwas zu erreichen. Es geht immer um die gesellschaftliche Veränderung, die wir ganz am Anfang angesprochen haben, dass zum Beispiel die Kriminalitätsrate gesenkt werden soll. Das ist der gesellschaftliche Impact, der als große Vision ganz am Ende bewirkt werden soll. Und der Sport ist dazu eigentlich nur der Zugang, der aber als sehr einfaches Mittel einen großen Impact am Ende leisten kann.

Die Laureus Sport for Good Förderprogramme richten sich nach verschiedenen Social Focus Areas, die sich an den Sustainable Development Goals der UN orientieren. Welchen Social Focus Areas widmet sich denn abseits?

Rosier: Es ist nicht ganz einfach eine Social Focus Area zu benennen, weil es ein ganzheitlicher Ansatz ist. Zum einen geht es natürlich um die arbeitsintegrativen Maßnahmen, also wären wir in der Focus Area Arbeitsplatz und Bildung (Anmerkung der Redaktion: SDG 4 = Hochwertige Ausbildung). Aufgrund des angesprochenen Resozialisierungsansatzes kann man zudem von einem inklusiven Ansatz sprechen. Aus meiner Perspektive zählt es auch zur Inklusion, Jugendliche, die aus der Gesellschaft herausgefallen sind, wieder einzugliedern. Darüber hinaus leistet abseits durch das angestrebte Ziel der Senkung der Kriminalitätsrate, natürlich auch einen Beitrag zu einer friedlichen und friedfertigen Gesellschaft (Anm. d. Red.: SDG 16 = Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen).

Gleiche Frage an abseits – Haben Sie spezielle Social Focus Areas, die Sie verfolgen? Oder sehen Sie es ähnlich wie Laureus, dass Sie mit Ihrem Angebot die Herausforderungen in mehreren sozialen Bereichen angehen?

Wührer: Wir haben uns im Projekt an die SDG’s gehalten und haben uns da bei vier dieser Ziele verortet. Aber natürlich finde ich auch, dass das Projekt einen Inklusions-Charakter verfolgt. Inklusion heißt ja nicht, eine spezielle Gruppe in eine größere Gruppe zu implementieren, sondern die Gruppe so zu verstreuen, dass kein eigener Korpus mehr besteht. Darüber hinaus sind wir aufgrund des Programmangebotes im Gesundheits- und Wohlergehen-Sektor tätig, dem SDG 3 . Außerdem erfüllen wir einen arbeitsintegrativen Aspekt, womit wir bei SDG 8, Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum, ansetzen. Wir fördern natürlich auch die Wirtschaft im Sinne von Minimierung von Fluktuation im Lehrlingssektor. Des Weiteren verfolgen wir das SDG 16, Frieden Gerechtigkeit und starke Institutionen. Wir emapnzipieren junge Menschen und helfen Ihnen, aus strukturellen Ungleichkheiten herauszukommen. Auf diese Weise steigern und fördern wir den sozialen Frieden. Das klingt jetzt möglicherweise überspitzt, aber ich glaube daran.

Stoßen Sie in Ihrer Arbeit auch auf Herausforderungen?

Pleninger: Immer wieder, also die stigmatisierte Zielgruppe per se ist ja schon herausfordernd und dann auch generell das Tabu-Thema, in dem man immer wieder mit Vorurteilen und Klischees zu kämpfen hat. Ein Scheitern muss bei uns im Projekt auf jeden Fall erlaubt sein. Und natürlich ist es auch eine Herausforderung, was passiert, wenn nicht alle den für uns vermeintlich richtigen Weg einschlagen. Aber wir sind überzeugt diese Herausforderungen mit unserer Mission, Weiterbildungen und Expertise zu meistern.

Was sichert denn die Qualität Ihres Programms?

Wührer: Die Professionalität, die wir in allen Belangen, die das Projekt betreffen, anvisieren und die Kontinuität bei den Jugendlichen. Wir wollen eine Sicherheit gebende Beziehungsinstanz sein, auf die man zugreifen kann, wenn es Bedarf gibt. Wir begleiten, aber wir kontrollieren keinen und überwachen auch niemanden.

Pleninger: Auch die Wirkungslogik spielt eine Rolle, wo wir eben schauen, ob wir noch auf dem Weg in Richtung der Ziele sind. Zudem trägt die sorgfältige Auswahl des Teams und der Mitarbeiter*innen zur Qualitätssicherung bei.

Hinsichtlich Wirkungsmessung und Wirkungslogik arbeiten Sie eng mit Laureus Sport for Good zusammen. Welches Potential sieht Laureus in abseits?

Rosier: Der Bedarf, aufgrund dessen das Programm initiiert wurde, ist wirklich akut und wird dauerhaft im Sozialraum bestehen, sodass eine nachhaltige Unterstützung erforderlich ist. Zudem ist dieser Bedarf nicht nur lokal begrenzt, sondern es besteht ein extrem großes Potential, das Programm auf andere JVA’s bzw. auf andere Städte zu übertragen, um eine noch größere Wirkung zu erzielen und noch mehr junge Menschen zu erreichen.

Wenn man in die Zukunft blickt, wo würden Sie sich in 5 Jahren sehen?

Pleninger: Ich hoffe schon, dass wir unsere erarbeiteten Ziele, an den SDG’s orientiert, mittelfristig auf jeden Fall verfolgen und uns weiter auf dem Weg befinden, dass wir unser Programm erweitern und ausbauen können. Vielleicht schaffen wir es auch die Kriminalität messbar zu machen, wenn es um Wiederholungstäterschaft geht. Bei akzente Salzburg haben wir auch schon einige Ressourcen in der Abteilung des europäischen freiwilligen Dienstes, der auch EU-Anträge mit unterstützt. Vielleicht können wir hier eine Multiplikator*innen-Schulung und einen Austausch anbieten, den man über die EU finanziert bekommen könnte, um so anderen EU-Staaten unser Modell vorzustellen oder gar das Konzept patentieren lassen. Aber „think big, dream big“, von daher sehe ich uns auch gerne noch weiter.

Wührer: Was uns auch extrem freuen würde, wäre, wenn wir in 5 Jahren in ein Gasthaus gehen und wir nichts ahnend einem ehemaligen Teilnehmenden begegnen, der dort arbeitet, und dieser uns herzlich begrüßt. Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass wir zu diesem Zeitpunkt mit unserem Programmangebot schon in den Schulen vertreten sind, um direkt vor Ort in den prägenden jungen Jahren entsprechende Themen zu kommunizieren. Wenn wir es schaffen würden, dass wir wirklich ein Angebot liefern, das einen gesellschaftlichen Mehrwert hat und mit dem man Leute wieder zurück in die Gesellschaft holen kann, dann wäre ich sowas von demütig.

Um zum Ende nochmal auf Laureus zu sprechen zu kommen, wie sieht denn grundsätzlich die Zusammenarbeit mit Laureus aus? Inwiefern profitiert abseits durch die Unterstützung von Laureus?

Wührer: Das kann ich in kurzen Worten zusammenfassen „Ohne Laureus, kein abseits„. Das heißt du brauchst immer jemanden, der sagt „Die Idee hat eine Chance“ und genau das hat Laureus gemacht. Ohne die Unterstützung von Laureus hätten wir nie diesen Umfang, diese Tragweite und diesen professionellen Content rund um das Projekt erlangt.

Rosier: Ich würde vielleicht einmal auf die Zusammenarbeit von Laureus und abseits eingehen bzw. generell auf die Arbeitsweise von Laureus, denn wir sehen uns nicht nur als finanziellen Förderer. Die finanzielle Unterstützung ist natürlich eine extrem wichtige Säule, ohne die eine Programmarbeit meist nicht umsetzbar wäre. Laureus möchte aber zudem durch den Zugang zu anderen Programmen und durch verschiedene Workshops und Beratungsleistungen einen Mehrwert stiften. Die Weiterentwicklung des Programmes, beispielsweise über die Wirkungslogikmessung, ist hierbei von großer Bedeutung. Unser größtes Ziel ist es, die Programmarbeit auf dem Stand, wie sie ist, zu verbessern und das Beste rauszuholen.

Pleninger:  Wir profitieren auch von dieser großartigen Plattform und Stimme, die uns Laureus für die Social-Profit Sportprojekte gibt, die sonst oft leider nicht so Gehör finden. Wir vernetzen uns. Wir tauschen uns aus, jetzt auch virtuell. Da ist mit Corona auch etwas Positives entstanden. Zum Beispiel darf ich jetzt an der Universität über Social-Profit Sportprojekte referieren. Durch einen der letzten Summits (Anm. d. Red.: Summit = jährlich stattfindendes (inter)nationales Programmleitertreffen, dass von Laureus Sport for Good organisiert wird) habe ich mich mit einem Programm aus Mexiko vernetzt, sodass wir auch international einfach Kontakt halten und uns austauschen können. Laureus ist für uns schon auch ein Türöffner, wenn es um Gespräche oder um Einladungen geht. Und ich muss auch hervorgreifen, dass es sehr menschlich bei Laureus abläuft. Sowohl die Mitarbeiter*innen, die man kennenlernt und mit denen man sich austauscht, als auch die Botschafter*innen, die das Programm besuchen kommen. Für uns ist es eine große Wertschätzung und tolle Möglichkeit, da dabei zu sein.

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On September 30, 2021
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