Blog-Interview mit Andreas Nakic

Allgemein, Blog

25.02.2015

Worum geht es in dem Laureus Projekt Coole Pänz?
Bei den Coolen Pänz lernen die Kinder einen fairen und wertschätzenden Umgang, im Team zu arbeiten, ihre eigenen Grenzen zu setzen und diese so zu formulieren, dass es nicht aggressiv wirkt. Und natürlich die Grenzen anderer zu respektieren und zu akzeptieren, vor allem aber diese auch frühzeitig zu erkennen.

Judo ist ein wichtiges Element in Eurem Training – warum?
Ich unterscheide Kampfsport und Kampfkunst. Kampfsport kann die Aggressivität fördern, wenn man sie falsch einsetzt. Mit der Kampfkunst aber kann ich den Kindern vermitteln, wie wichtig es ist, sich zu kontrollieren, sich zu beherrschen und den anderen wertzuschätzen. Im Kampf erlebe ich den anderen nicht als meinen Gegner, als meinen Feind, sondern als Partner. Die Kampfkunst lehrt aber auch, Reflexe und Impulse zu kontrollieren. Viele Jugendliche kommen, wenn sie wütend werden, in eine Art Tunnel und verlieren ihre Beherrschung und ihre Kontrolle über Körper und Geist. Über die Kampfkunst lernen sie Beherrschung und Selbstkontrolle, auch in emotional schwierigen Momenten.

Euer Schirmherr ist Laureus Botschafter Ole Bischof, ehemaliger Olympiasieger im Judo. Was bringt er den Kindern bei?
Ole finde ich sehr sympathisch. Er hat keine Berührungsängste mit den Kids und nimmt bei seinen Besuchen sofort am Training teil. Er geht mit den Kids sehr offen, authentisch und geradlinig um und bringt ihnen Respekt entgegen. Auch mit mir als Trainer geht er sehr wertschätzend um. Das ist überhaupt sehr wichtig in unserem Training: Wertschätzung, Respekt und Aufmerksamkeit dem Partner gegenüber und sich selbst. Diese Werte vermittelt Ole, ohne dass er darüber redet.

Welche Kinder kommen zu Euch?
Unsere Teilnehmer sind sehr unterschiedlich. Manche Kinder sind offensiv, etwas aggressiv, haben als Opfer Gewalterfahrungen gemacht und daraus den Schluss gezogen: „Draufhauen ist eine Lösung, dann lässt mich der andere in Ruhe“. Diesen Kindern muss man beibringen, sich etwas zurückzunehmen und sich zu beherrschen und ihnen klarmachen, dass sie sich mit jeder Gewalterfahrung auf die Verliererstraße begeben. Andere Kinder sind sehr defensiv, beinahe ängstlich und können keine Grenzen setzen. Ihnen bringen wir bei, sich nicht alles gefallen zu lassen und präsenter zu werden.

Ihr bindet in Eurem Training auch die Eltern aktiv ein. Wie?
Wir haben viermal im Jahr ein Training, an dem Kinder gemeinsam mit ihren Eltern teilnehmen können. Das gibt den Eltern die Möglichkeit, ihre Kinder mal anders kennenzulernen. Oft halten sie ihre Kinder nur noch für schwierig und sehen die anderen Facetten nicht mehr. Natürlich haben die Kinder mit Problemen zu kämpfen, aber sobald man diese ernst nimmt, lösen sich viele Konflikte auf. Im gemeinsamen Training lernen die Eltern auch die Stärken ihrer Kinder und damit oft eine ganz andere Seite von ihnen kennen.

Welche Veränderungen bemerkst du bei den Kindern?
Die Veränderungen bei den Kindern sind sehr unterschiedlich. Der eine wird kontrollierter und ruhiger, der andere traut sich mehr zu, wird in der Gruppe präsenter. Unsere ganze Gruppe geht mittlerweile viel fairer und respektvoller miteinander um. Es gibt kaum noch Beleidigungen und Provokationen, ich muss seltener eingreifen.

Was ist für dich immer wieder eine Herausforderung?
Ich muss sehr sensibel sein und die Stimmung jedes einzelnen Kindes spüren. Und ich muss fair und gerecht bleiben, sobald Reibereien und Konflikte entstehen, das ist manchmal sehr anstrengend.

Welches Feedback bekommst du von den Kids?
Sie schätzen mich, sie mögen mich, sie respektieren mich. Ich bin nicht autoritär im Training, aber ich bin klar. Ich lasse manche Verhaltensweisen nicht zu. Aber ich bringe den Kindern Respekt entgegen und nehme sie und ihre Probleme ernst.

Was freut dich besonders?
Mich hat letztens ein früherer Teilnehmer nach mehreren Jahren angerufen, weil er mich nicht aus den Augen verlieren wollte. Das hat mich persönlich berührt. Oft treffe ich auch ältere Jugendliche wieder, die früher in meinem Training waren, und merke, dass die Werte, die ich vermittelt habe, nachwirken. Dass sie oft im Nachhinein nochmal über bestimmte Situationen in und außerhalb des Trainings nachgedacht haben.

Was treibt dich persönlich immer wieder ran?
Ich möchte den Kids Gewalterfahrungen ersparen. Ich habe selber eine sehr, sehr schwere Kindheit erlebt und sehr viele Gewalterfahrungen durchmachen müssen. Sowohl als Opfer, als auch als jemand, der sich gewehrt hat. Diese Kette der Gewalt habe ich mithilfe der Kampfkunst durchbrochen. Sie hat mir geholfen, Körper, Geist und Energie zu kanalisieren.

 

Autor:

Andreas Nakic (52) hat den vierten schwarzen Gürtel im Kung Fu und arbeitet als Anti-Gewalt-Trainer. Ihm hat das Ausüben der Kampfkunst zu Ausgeglichenheit und Selbstkontrolle verholfen – Erfahrungen, die er im Training bei den coolen pänz nun an die Kinder und Jugendlichen weitergibt.

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On Februar 25, 2015
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