Anleitung: Wie erobert man eine Burg mit move&do?

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25.10.2019

Zweimal im Jahr veranstaltet move&do, ein erlebnispädagogisches Programm, das auf Teamgeist statt Alleingang setzt, neben den täglichen Projekten ein Firmenevent, bei dem Schülerinnen und Schüler auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Unternehmens treffen und gemeinsame Aktionen erleben. Es geht um Miteinander und Dialog, Kennenlernen und Zusammenarbeit. Dieses Mal trafen sich eine siebte Klasse aus Stuttgart und Angestellte der Unternehmensberatung Q_Perior auf der Schwäbischen Alb zu einer Burgeroberung. Dazu gesellten sich Laureus Sport for Good Botschafter Timo Bracht und unsere Praktikantin Tabea.

Früh ging es los in Richtung Bad Urach, mit dem Zug von München nach Ulm und von dort mit dem Bus über die Schwäbische Alb. Während über den mit leichtem Nebel bedeckten Feldern und den herbstlich gefärbten Wäldern die Sonne aufging, lag für mich alles, was mich am Ende der Reise erwarten sollte, noch etwas im Dunkeln. Wie würden wohl die Schülerinnen und Schüler sein? Wie reagieren die Angestellten von Q_Perior und die Siebtklässler aufeinander? Und welche Aufgaben hat sich move&do für die Burgeroberung ausgedacht? Ich war für alle Eventualitäten gewappnet, hatte Proviant und Ersatzkleidung dabei und saß so freudig gespannt auf meinem Fensterplatz.

Treffpunkt war ein Wanderparkplatz etwas außerhalb des Ortes, am Fuße der Burgruine Hohenwittlingen. Nach und nach trudelten die Angestellten von Q_Perior sowie die Schülerinnen und Schüler der Pestalozzischule aus Stuttgart ein – und einige wagten gleich erste Annäherungsversuche. Währenddessen liefen bei move&do die letzten Vorbereitungen auf Hochtouren: Die Stationen wurden aufgebaut, alle Abläufe durchgesprochen und die Gruppen eingeteilt. Nach einem kurzen Warm-Up Spiel und der Begrüßung aller Teilnehmenden, zu denen an diesem Tag auch Laureus Sport for Good Botschafter Timo Bracht gehörte, ging es los. In vier Gruppen, in denen sich sowohl die Angestellten als auch die Schüler/-innen gemischt wiederfanden, zogen wir in den Wald und machten uns auf den Weg zur Burg.

Dabei bekam jede Gruppe ein GPS-Gerät, welches abwechselnd von den Gruppenmitgliedern bedient wurde und den Weg weisen sollte. Vier Stationen warteten auf dem Weg zur Burg, die alle Gruppen in unterschiedlicher Reihenfolge durchliefen. Meine Aufgaben an diesem Tag bestanden darin, die Gruppen ein wenig mit zu betreuen, Material hin und her zu tragen oder einfach als Teilnehmerin die Erlebnisse aufzusaugen.

Für die Gruppe, die ich als erstes begleitete, stand zunächst die Herstellung von Traubensaft und Brotteig auf dem Plan. Die Zutaten für den Teig warteten bereits, jedoch ohne Rezept, und so recht wussten weder die Jungen noch die Älteren wie man den Teig denn nun herstellen sollte. So wurden erste Rufe laut, man wolle googeln, doch da dies nicht ganz im Sinne des Tages war, wurde davon wieder Abstand genommen und stattdessen einfach ausprobiert. Und siehe da – in bester Teamarbeit entstand ein Brotteig. Außerdem wurden die Trauben gewaschen und über einem Gaskocher zum Kochen gebracht. Ich habe diese Gruppe dann weiterziehen lassen und mit dem nachfolgenden Team den Traubensaft in Flaschen abgefüllt. Eine weitere Aufgabe bestand darin, Soßen zu kreieren, die neben dem Brot und Traubensaft mit zum Buffet für unser Festmahl zählten.

Gemeinsam ging es dann weiter zur nächsten Station: abseilen. Mindestens vier aus einer Gruppe mussten sich trauen, denn nur dann gab es auch Würstchen (oder Grillkäse) als weitere Bestandteile unseres Festmahls – das Essen musste man sich also verdienen an diesem Tag. Da ich mich an dieser Stelle wieder der ersten Gruppe anschloss, habe ich die Station nicht miterleben können, sondern es ging weiter zur Schillerhöhle. Mit Helmen und Stirnlampen bewaffnet, wagten wir uns hinein. Ein wenig Nervosität und Unsicherheit herrschte insbesondere bei den jüngeren

Teilnehmerinnen, die nicht besser wurde, als die vorherige Gruppe von Fledermaus-Sichtungen berichtete. Dennoch – alle ließen sich auf das Abenteuer ein. Nachdem wir einige Meter auf äußerst rutschigem und nassem Untergrund zurückgelegt haben, hing sie auch tatsächlich direkt vor unseren Gesichtern. Eine Fledermaus! Unter einigen Gruppenmitgliedern wuchs das Gefühl des Unwohlseins beim Anblick des Tieres und doch haben alle auch die nächste Herausforderung gemeistert: Alle Lampen aus, ganz leise sein und nur auf die Geräusche in der Höhle achten! Nach einigen Quizfragen ging es dann wieder zurück ans Tageslicht und wer wollte, durfte dabei die letzten Meter ohne Licht gehen.

Danach ging es weiter hinauf in Richtung Burgruine. Nicht immer war der Weg leicht begehbar und das feuchte Laub auf den schmalen Pfaden machte dem ein oder anderen zu schaffen. Aber alle näherten sich in großen Schritten dem Ziel und nur noch wenige Aufgaben mussten gemeistert werden. Es standen noch Bogenschießen auf dem Plan, ein „Turmbau“, bei dem in Teamarbeit mit Hilfe eines Seilzug-ähnliches Faden-Konstruktes Bauklötzchen aufeinander gestapelt werden mussten, und die Fahne für die Burgeroberung wollte noch gestaltet werden.

Als sich wieder alle Gruppen zusammengefunden haben und noch die Letzten ihre Würstchen und Grillkäse erspielt haben, wurde alles zusammengepackt – und die Burg erobert! Dort wurde das mehr als verdiente Essen und der selbst hergestellte Traubensaft verspeist – ehe es dann nochmal hektisch wurde. Nachdem das Wetter uns den ganzen Tag mit Sonnenschein beglückte, fing es auf den letzten Metern doch noch an zu regnen. So wurde alles zügig verpackt und der Rückweg angetreten. Durchnässt, aber glücklich wurde der Parkplatz erreicht und nach einer, dem Wetter geschuldeten, kurzen Verabschiedung machten wir uns auf den Weg nach Hause.

Es war ein durchweg gelungener Tag und wie Marcus, der Projektleiter von move&do, richtigerweise bemerkte, änderte auch der späte Regen nichts mehr daran. Die Schülerinnen und Schüler haben an diesem Tag ihre Komfortzone verlassen und sich auf Unbekanntes einlassen müssen, aber sie haben diese Herausforderung angenommen und vor allem auch gemeistert! Auch die Angestellten von Q_Perior haben sich auf das Abenteuer eingelassen. Sie zeigten keine Berührungsängste gegenüber den Schülerinnen und Schülern, von denen einige zumindest zu Beginn noch nicht so ganz wussten, was sie denn davon halten sollten. Bei einigen Stationen übernahmen sie sofort die Verantwortung, machten sich an den Brotteig und füllten den Traubensaft ab, doch sie wussten die jungen Teilnehmenden einzubinden und auch mal „machen zu lassen“. Sie halfen, wenn es dem einen oder anderen zu rutschig wurde, oder auch zu gruselig im Dunkeln in der Höhle. Gemeinsam wurden die Aufgaben gelöst, das Essen zubereitet und die Burg erobert.

Teamarbeit, Mut oder Vertrauen waren dabei wichtige Fähigkeiten, die sie einerseits brauchten und andererseits dadurch auch gelernt haben: Gemeinsam, ob jung oder alt, steckten sie ihre Köpfe über dem GPS-Gerät zusammen, um den Weg zu finden, sie vertrauten den Teamleitern beim Abseilen, dass sie wieder gesund und munter den Boden unter ihren Füßen spüren würden und hatten den Mut, die Höhle ganz ohne Licht zu erleben.

Und so saß ich abends wieder im Zug auf dem Weg zurück, von Bad Urach nach München, zwar erschöpft aber höchst zufrieden (auch dankbar für meine Ersatzkleidung), und ließ den Tag mit einem Lächeln Revue passieren. Auch ich hatte viel Spaß, habe Neues gelernt und ausprobieren dürfen, kam mit Menschen in Kontakt, mit denen ich sonst selten (bis nie) Kontakt habe, und durfte erfahren, warum es Teamarbeit, Zusammenhalt und manchmal auch ein wenig Tapferkeit bedarf, um seine Ziele zu erreichen.

Bildquelle: move&do

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On Oktober 25, 2019
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